An die Günstigen
1749Dichter lieben nicht zu schweigen, Wollen sich der Menge zeigen; Lob und Tadel muß ja sein! Niemand beichtet gern in Prosa; Doch vertraun wir oft sub Rosa In der Musen stillem Hain.
Was ich irrte, was ich strebte, Was ich litt und was ich lebte, Sind hier Blumen nur im Strauß; Und das Alter wie die Jugend, Und der Fehler wie die Tugend Nimmt sich gut in Liedern aus.
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Interpretation
Das Gedicht "An die Günstigen" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der Natur der Dichtkunst und ihrer Beziehung zum Publikum. Goethe betont, dass Dichter nicht schweigen möchten und sich der Menge zeigen wollen, da Lob und Tadel unausweichlich sind. Er deutet an, dass Dichter oft ihre Gedanken und Gefühle in poetischer Form ausdrücken, anstatt in Prosa, und dass sie in der ruhigen Umgebung der Musen ihre innersten Gedanken offenbaren. Im zweiten Teil des Gedichts reflektiert Goethe über sein eigenes Leben und Werk. Er stellt fest, dass seine Irrungen, Strebungen, Leiden und Erlebnisse in seinen Gedichten nur wie Blumen in einem Strauß angeordnet sind. Er deutet an, dass sowohl das Alter als auch die Jugend, sowie Fehler und Tugenden in der Dichtkunst gut zur Geltung kommen. Goethe scheint zu sagen, dass die Dichtkunst eine Möglichkeit bietet, das Leben in seiner ganzen Vielfalt und Komplexität darzustellen, ohne sich allzu sehr an die Realität binden zu müssen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Dichter lieben nicht zu schweigen
- Anapher
- Was ich irrte, was ich strebte, was ich litt und was ich lebte
- Kontrast
- Und das Alter wie die Jugend, und der Fehler wie die Tugend
- Metapher
- Sind hier Blumen nur im Strauß
- Personifikation
- In der Musen stillem Hain