An die Geliebte

Eduard Mörike

1804

Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt, Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge, dann hör ich recht die leisen Atemzüge Des Engels, welcher sich in dir verhüllt.

Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt Auf meinen Mund, ob mich kein Traum betrüge, Daß nun in dir, zu ewiger Genüge, Mein kühnster Wunsch, mein einzger, sich erfüllt?

Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn, Ich höre aus der Gottheit nächtger Ferne Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.

Betäubt kehr ich den Blick nach oben hin, Zum Himmel auf - da lächeln alle Sterne; Ich kniee, ihrem Lichtgesang zu lauschen.

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Illustration zu An die Geliebte

Interpretation

Das Gedicht "An die Geliebte" von Eduard Mörike handelt von der tiefen Bewunderung und Liebe des lyrischen Ichs für seine Geliebte. Das Ich beschreibt, wie es in der Gegenwart der Geliebten zur Ruhe kommt und eine spirituelle Erfahrung macht. Es fühlt sich, als ob ein Engel in der Geliebten wohnt und atmet. Das Ich ist überwältigt von der Schönheit und Vollkommenheit der Geliebten und fragt sich, ob dies alles nur ein Traum ist. Es fühlt, dass sich in der Geliebten sein größter Wunsch erfüllt hat. Das Ich taucht immer tiefer in die Tiefen seiner Seele ein und hört die melodischen Quellen des Schicksals aus der Ferne rauschen. Am Ende des Gedichts ist das Ich so betäubt von dieser Erfahrung, dass es den Blick zum Himmel erhebt und alle Sterne lächeln sieht. Es kniet nieder, um ihrem "Lichtgesang" zu lauschen, was die tiefe spirituelle Verbindung des Ichs mit dem Universum und der Geliebten symbolisiert.

Schlüsselwörter

lächeln anschaun tief gestillt stumm heilgen wert vergnüge

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Stilmittel

Bildsprache
ihrem Lichtgesang zu lauschen
Metapher
Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen
Personifikation
da lächeln alle Sterne