An die Freunde
1837Der Jugend Glanz, der Sehnsucht irre Weisen, Die tausend Ströme durch das duftge Land, Es zieht uns all zu seinen Zauberkreisen. - Wem Gottesdienst in tiefster Brust entbrannt, Der sieht mit Wehmut ein unendlich Reisen Zu ferner Heimat, die er fromm erkannt: Und was sich spielend wob als irdsche Blume, Wölbt still den Kelch zum ernsten Heiligtume.
So schauet denn das buntbewegte Leben Ringsum von meines Gartens heitrer Zinn, Daß hoch die Bilder, die noch dämmernd schweben - Wo Morgenglanz geblendet meinen Sinn - An eurem Blick erwachsen und sich heben. Verwüstend rauscht die Zeit darüber hin; In euren treuen Herzen neu geboren, Sind sie im wilden Strome unverloren.
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Interpretation
Das Gedicht "An die Freunde" von Joseph von Eichendorff beschreibt die tiefe Verbundenheit des lyrischen Ichs mit seinen Freunden. Die Jugend, die Sehnsucht und die Ströme durch das Land ziehen alle in den Bann der Magie. Wer den Gottesdienst in seinem Herzen spürt, der blickt sehnsüchtig auf eine unendliche Reise zu einer fernen Heimat, die er in seinem Glauben erkennt. Was als irdische Blume spielerisch erschien, erhebt sich nun als ernstes Heiligtum. Das lyrische Ich betrachtet das bunte, bewegte Leben um seinen Garten herum. Die Bilder, die noch im Dämmern schweben und durch den Morgenglanz geblendet wurden, sollen durch den Blick der Freunde erwachsen und sich erheben. Die Zeit rauscht zerstörerisch darüber hinweg, doch in den treuen Herzen der Freunde werden die Bilder neu geboren und bleiben im wilden Strom des Lebens unverloren. Das Gedicht vermittelt die Idee, dass wahre Freundschaft und gemeinsame Erinnerungen den Zerstörungen der Zeit trotzen können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Sind sie im wilden Strome unverloren
- Personifikation
- Die tausend Ströme durch das duftge Land