An die Freude (II)
1708Freude, Göttin edler Herzen! Höre mich. Laß die Lieder, die hier schallen, Dich vergrößern, dir gefallen: Was hier tönet, tönt durch dich.
Muntre Schwester süßer Liebe! Himmelskind! Kraft der Seelen! Halbes Leben! Ach! was kann das Glück uns geben, Wenn man dich nicht auch gewinnt?
Stumme Hüter todter Schätze Sind nur reich. Dem, der keinen Schatz bewachet, Sinnreich scherzt und singt und lachet, Ist kein karger König gleich.
Gib den Kennern, die dich ehren, Neuen Muth, Neuen Scherz den regen Zungen, Neue Fertigkeit den Jungen, Und den Alten neues Blut.
Du erheiterst, holde Freude! Die Vernunft. Flieh′, auf ewig, die Gesichter Aller finstern Splitterrichter Und die ganze Heuchlerzunft!
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Interpretation
Das Gedicht "An die Freude (II)" von Friedrich von Hagedorn ist eine Ode an die Freude, die als Göttin und Quelle des Lebens und der Kraft verehrt wird. Der Dichter bittet die Freude, seine Lieder zu vergrößern und zu gefallen, und betont, dass alles, was hier tönt, durch sie tönt. Die Freude wird als muntere Schwester der Liebe und als Kraft der Seelen beschrieben. Der Dichter fragt, was das Glück uns geben kann, wenn wir die Freude nicht gewinnen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Freude als Quelle des Reichtums und des Glücks dargestellt. Der Dichter sagt, dass stumme Hüter toter Schätze nur reich sind, während derjenige, der keinen Schatz bewacht, sondern sinnreich scherzt, singt und lacht, keinem kargen König gleicht. Die Freude wird als Quelle der Erkenntnis und der Jugend beschrieben, die den Kennern neuen Mut, den regen Zungen neuen Scherz, den Jungen neue Fertigkeit und den Alten neues Blut gibt. Im letzten Teil des Gedichts wird die Freude als Erheiterin der Vernunft und als Fluch für die finsteren Splitterrichter und die Heuchlerzunft beschrieben. Der Dichter fordert die Freude auf, für immer von diesen negativen Einflüssen zu fliehen. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zur Freude und zur Vernunft, die als Gegenpol zu den negativen Einflüssen der Gesellschaft stehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sinnreich scherzt und singt und lachet
- Anrufung
- Freude, Göttin edler Herzen! Höre mich.
- Aufruf
- Gib den Kennern, die dich ehren, Neuen Muth
- Hyperbel
- Ach! was kann das Glück uns geben, Wenn man dich nicht auch gewinnt?
- Kontrast
- Stumme Hüter todter Schätze Sind nur reich.
- Metapher
- Muntre Schwester süßer Liebe
- Personifikation
- Freude, Göttin edler Herzen!
- Reimschema
- AABB
- Vergleich
- Dem, der keinen Schatz bewachet, Sinnreich scherzt und singt und lachet, Ist kein karger König gleich.