An die Freude

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

1785

Kind des Himmels, Freude, komm’! Komm’ herab aus deinem Himmel, Komm’ herab, wie Engel fromm, Komm’ herab in’s Erdgetümmel!

Ach, seit du entflohen bist, Ist die Erde voll von Buben, Voll von Trug und Hinterlist, Voll von Mord und Mördergruben!

Komm’ in jedes Menschenherz! Blocke, wie des Tigers, werden Dir verschwinden; Lieb’ und Scherz Dich begleiten hier auf Erden!

Tausende von uns sind krank, Krank am Herzen; komm’ und heile! Fürsten sollen mit Gesang Dich empfangen: Komm’ und eile!

Kind, des Himmels, Freude, komm’, Komm’ herab und mach’ auf Erden Alle böse Menschen fromm, Daß sie wieder fröhlich werden!

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Illustration zu An die Freude

Interpretation

Das Gedicht "An die Freude" von Johann Wilhelm Ludwig Gleim ist ein leidenschaftlicher Aufruf an die Freude, die als himmlisches Kind personifiziert wird. Der Sprecher bittet die Freude, vom Himmel herabzukommen und in die chaotische Welt der Menschen einzutreten. Die Freude wird als Engel beschrieben, der fromm und rein ist, und der Sprecher sehnt sich nach ihrer Anwesenheit, um die Dunkelheit und das Böse auf der Erde zu vertreiben. Die zweite Strophe verdeutlicht die Notwendigkeit der Freude in der Welt. Seitdem die Freude entflohen ist, ist die Erde voller Täuschung, Hinterlist, Mord und Gewalt. Der Sprecher beschreibt die Menschen als "Buben", was auf ihre unreife und unvernünftige Natur hinweist. Die Abwesenheit der Freude hat zu einer Welt geführt, in der das Böse vorherrscht und die Menschen leiden. In der dritten Strophe ruft der Sprecher die Freude auf, in jedes Menschenherz zu kommen und die bösen Triebe zu beseitigen. Er vergleicht die bösen Triebe mit den Klauen eines Tigers, die verschwinden sollen, sobald die Freude eintrifft. Der Sprecher hofft, dass die Freude mit Liebe und Scherz einhergeht und die Menschen auf der Erde erfreut. Die vierte Strophe betont die Notwendigkeit der Heilung durch die Freude. Tausende von Menschen sind krank im Herzen, und die Freude soll kommen und sie heilen. Der Sprecher ruft sogar die Fürsten auf, die Freude mit Gesang zu empfangen. Die Freude wird als Retterin dargestellt, die die Menschen von ihrem Leiden erlösen und sie wieder fröhlich machen kann. Das Gedicht endet mit einer Wiederholung des Aufrufs an die Freude, die als himmlisches Kind bezeichnet wird. Der Sprecher bittet die Freude, auf die Erde herabzukommen und alle bösen Menschen fromm zu machen, damit sie wieder fröhlich werden können. Das Gedicht drückt die Sehnsucht nach einer besseren Welt aus, in der die Freude herrscht und das Böse überwunden wird.

Schlüsselwörter

komm herab voll kind himmels freude fromm erden

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Stilmittel

Anapher
Komm’ herab aus deinem Himmel, Komm’ herab, wie Engel fromm, Komm’ herab in’s Erdgetümmel
Hyperbel
Voll von Mord und Mördergruben
Metapher
Komm’ herab in’s Erdgetümmel
Personifikation
Kind des Himmels, Freude, komm’! Komm’ herab aus deinem Himmel
Vergleich
Blocke, wie des Tigers, werden Dir verschwinden