An die Freiheit

Christian Friedrich Daniel Schubart

1787

O Freiheit, Freiheit! Gottes Schoß entstiegen, Du aller Wesen seligstes Vergnügen, An tausendfachen Wonnen reich, Machst du die Menschen Göttern gleich.

Wo find′ ich dich, wo hast du deine Halle? Damit auch ich anbetend niederfalle; Dann ewig glücklich - ewig frei Ein Priester deines Tempels sey.

Einst walltest du so gern in Deutschlands Hainen, Und ließest dich vom Mondenlicht bescheinen, Und unter Wodanseichen war Dein unentweihtester Altar.

Es sonnte Hermann sich in deinem Glanze, An deine Eiche lehnt` er seine Lanze, Und ach, mit mütterlicher Lust Nahmst du den Deutschen an die Brust.

Bald aber scheuchten Fürsten deinen Frieden, Und Pfaffen, die so gerne Fesseln schmieden; Da wandtest du dein Angesicht Wo Fesseln rasseln - bist du nicht.

Dann flogst du zu den Schweizern, zu den Britten; Warst seltner in Pallästen, als in Hütten; Auch bautest du ein leichtes Zelt Dir in Kolumbus neuer Welt.

Und endlich, allen Völkern zum Erstaunen, Als hätt′ auch eine Göttin ihre Launen, Hast du dein Angesicht verklärt Zu leichten Galliern gekehrt.

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Illustration zu An die Freiheit

Interpretation

Das Gedicht "An die Freiheit" von Christian Friedrich Daniel Schubart preist die Freiheit als höchstes Gut und göttliche Gabe. Der Autor verherrlicht die Freiheit als Quelle des Glücks und der Gleichheit, die den Menschen göttergleich macht. Er sehnt sich danach, die Freiheit zu finden und ihr ewig als Priester in ihrem Tempel zu dienen. Das Gedicht erinnert an die glorreiche Vergangenheit der Freiheit in Deutschland, als sie in den Hainen wohnte und von Helden wie Hermann verehrt wurde. Doch dann wurde die Freiheit von Fürsten und Pfaffen vertrieben, die Ketten schmieden und Fesseln anlegen. Daraufhin floh die Freiheit zu anderen Völkern wie den Schweizern, Briten und schließlich zu den "leichten Galliern", womit die Franzosen und ihre Revolution gemeint sind. Schubart kritisiert in diesem Gedicht die Unterdrückung der Freiheit durch absolutistische Herrscher und die katholische Kirche. Er sieht in der Französischen Revolution einen Hoffnungsschimmer für die Verbreitung der Freiheit. Das Gedicht ist Ausdruck der aufklärerischen Ideale und des Freiheitsdrangs, die zur Zeit der Entstehung des Gedichts (1774) in Deutschland vorherrschten.

Schlüsselwörter

freiheit hast ewig fesseln angesicht gottes schoß entstiegen

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Stilmittel

Anspielung
Es sonnte Hermann sich in deinem Glanze
Hyperbel
Machst du die Menschen Göttern gleich
Kontrast
Bald aber scheuchten Fürsten deinen Frieden, Und Pfaffen, die so gerne Fesseln schmieden
Metapher
Hast du dein Angesicht verklärt Zu leichten Galliern gekehrt
Personifikation
O Freiheit, Freiheit! Gottes Schoß entstiegen, Du aller Wesen seligstes Vergnügen