An die Freiheit

Johanna Sophie Dorothea Albrecht

1757

Goldne Freiheit, kehre wieder In mein wundes Herz zurück, Weck mir neue, heitre Lieder Und entwölke Geist und Blick.

Komm und trockne meine Tränen Mit der rosig-zarten Hand, Stille meines Busens Sehnen, Löse, was die Liebe band.

Liebe schafft Olympos-Freuden, Und wer ehrte sie wie ich? - Tiefer doch sind ihre Leiden, Und allein sie trafen mich.

Ach! mit Jahren voller Qualen, Mit des halben Lebens Glück Mußt ich ihre Wonne zahlen, Flüchtig, wie ein Augenblick.

Ohne Freuden stieg der Morgen Für mich arme Schwärmerin, Und der Liebe bleiche Sorgen Welkten meinen Frühling hin.

Wonne hat sie mir versprochen, Treue war mein Gegenschwur, Unsern Bund hat sie gebrochen, Schmerz und Tränen gab sie nur. - -

Nimm für deine Palmenkrone Was die Liebe mir verspricht, Hier in dieser Männer-Zone Grünt für mich die Myrte nicht.

Goldne Freiheit, kehre wieder, Stimme meiner Harfe Ton; Jubelt lauter, meine Lieder, Ihr Umarmen fühl ich schon!

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Illustration zu An die Freiheit

Interpretation

Das Gedicht "An die Freiheit" von Johanna Sophie Dorothea Albrecht ist eine leidenschaftliche Ode an die Freiheit, die als Retterin aus den Fesseln der Liebe angerufen wird. Die lyrische Ich-Erzählerin sehnt sich danach, dass die "goldne Freiheit" in ihr "wundes Herz" zurückkehrt und ihr neue, heitere Lieder weckt, um ihren Geist und Blick zu entwölken. Die Freiheit wird als tröstende Kraft dargestellt, die die Tränen trocknen und die Sehnsüchte des Busens stillen soll, indem sie das löst, was die Liebe band. Die Erzählerin reflektiert über die duale Natur der Liebe, die sowohl olympische Freuden schafft als auch tiefe Leiden verursacht. Sie fühlt sich von den Leiden der Liebe besonders betroffen, da sie mit Jahren voller Qualen und nur einem halben Leben voller Glück bezahlen musste. Ihr Frühling, symbolisiert durch die Liebe, wurde durch bleiche Sorgen welk und versprach Wonne, die nie eingelöst wurde. Die Liebe brach ihren Bund und hinterließ nur Schmerz und Tränen. Die lyrische Ich-Erzählerin fordert die Freiheit auf, die versprochenen Gaben der Liebe für ihre Palmenkrone zu nehmen, da in der "Männer-Zone", in der sie sich befindet, die Myrte, ein Symbol der Liebe, für sie nicht grünt. Sie ruft die Freiheit dazu auf, in ihre Harfe zu stimmen und ihre Lieder jubeln zu lassen, da sie schon das Umarmen der Freiheit spürt. Das Gedicht endet mit einer optimistischen Note, da die Erzählerin die Rückkehr der Freiheit und die damit verbundene Befreiung von den Fesseln der Liebe erwartet.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Apostrophe
Goldne Freiheit, kehre wieder
Metapher
Grünt für mich die Myrte nicht
Personifikation
Ihr Umarmen fühl ich schon