An die Feinde des Königs
1760Wie lange schwingt die rasende Megäre Die Fackel? Götter dieser Welt, Warum verfolgt ihr ihn, zu seiner eignen Ehre, Den unbezwungnen Held?
Ists möglich? machen euch so viel Gefahren, Mit welchen ihr ihn ringen saht, So viele Kronen, die mit Blut zu kaufen waren, So manche Götterthat,
So manch von ihm zertretnes Ungeheuer Nicht wieder zur Versöhnung Lust? So lange loderte der Rache schwarzes Feuer In keines Gottes Brust.
Als Herkuls Arm den Löwen erst erdrückte, Der in Nemäens Felsen lag, Und, mit der Panzerhaut bedeckt, sein Rachschwerdt zückte, Und schnell, und Schlag auf Schlag,
Der Hydra, die ihn zu ermüden wagte, Ihr immerwachsend Leben nahm, Obgleich die Fersen ihm ein kriechend Seethier nagte, Das gieng und wiederkam;
Und dann die falsche Brut der Stymphaliden, Die wild aus ehrnen Schnäbeln schrien, Mit ehrnen Klauen raubten, und den Kampf vermieden, Aus Sumpf und Busch zu ziehn
Ein Mittel traf; (denn diese zu erlegen, War nur ein Spiel für Herkuls Hand;) Und drauf aus Thrazien die Rosse, die den Segen Der Felder weggebrannt,
Und flammenathmend in die Hütten drangen, Und ihren Schlund, das offne Grab, Mit Menschen fülleten, lebendig aufgefangen Dem wilde Viche gab:
Da sank der Zorn der reuerfüllten Götter; Und Juno, frey von Rachbegier, Brach aus: Sohn Jupiters, der Sterblichen Erretter, O! mehr ein Gott, als wir!
Geneuss, geneuss der Ruh, die dir entzogen, Seit ich diess Feuer angefacht, Und alle Himmlischen, durch meine Wut betrogen, Auf dich entbrannt gemacht!
Geneuss der Opfer, die von beiden Enden Der Erde, künftig jedermann Dir bringen wird, nicht uns! und nimm von meinen Händen Den ersten Nektar an.
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Interpretation
Das Gedicht "An die Feinde des Königs" von Karl Wilhelm Ramler ist eine Ode, die den König als unbesiegbaren Helden preist und seine Feinde als rasende Megäre darstellt. Der Dichter fragt die Götter, warum sie den König verfolgen, der zu seiner eigenen Ehre unbesiegt bleibt. Er erinnert an die vielen Gefahren, Kronen und Heldentaten, die der König überstanden hat, und fragt sich, warum dies nicht zur Versöhnung führt. Der Dichter vergleicht den König mit Herkules, der den Löwen in Nemäa erdrückte, die Hydra besiegte und die Stymphaliden bekämpfte. Auch die Rosse aus Thrazien, die die Felder verwüsteten, wurden von Herkules besiegt. Der Dichter betont, dass der Zorn der Götter nach diesen Heldentaten nachließ und sogar Juno, die zuvor eifersüchtig auf Herkules war, ihn als mehr als einen Gott anerkannte. Der Dichter fordert die Götter auf, dem König die Ruhe zu gönnen, die ihm durch Juno's Zorn vorenthalten wurde. Er prophezeit, dass künftig alle Menschen auf der Erde dem König Opfer bringen werden, nicht den Göttern. Der Dichter bietet dem König den ersten Nektar aus seinen eigenen Händen an, um seine Verehrung und Anerkennung zu zeigen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schlag auf Schlag
- Anapher
- Wie lange schwingt die rasende Megäre Die Fackel? Götter dieser Welt, Warum verfolgt ihr ihn, zu seiner eignen Ehre, Den unbezwungenen Held?
- Anspielung
- Als Herkuls Arm den Löwen erst erdrückte
- Frage
- Wie lange schwingt die rasende Megäre Die Fackel? Götter dieser Welt, Warum verfolgt ihr ihn, zu seiner eignen Ehre, Den unbezwungenen Held?
- Hyperbel
- So viele Kronen, die mit Blut zu kaufen waren
- Metapher
- Nektar
- Personifikation
- der Rache schwarzes Feuer