An die Ersehnte
1863Ich habe dich Gerte getauft, weil du so schlank bist und weil mich Gott mit dir züchtigen will, und weil eine Sehnsucht in deinem Gang ist wie in schmächtigen Pappeln im April.
Ich kenne dich nicht - aber eines Tages wirst du im Sturm an meine Türe klopfen, und ich werde öffnen auf dies Klopfen, und meine zuchtlose Brust wird gleichen Schlages an Deine zuchtlosen Brüste klopfen.
Denn ich kenne dich - deine Augen glänzen wie Knospen, und du willst blühen, blühen, blühen! und deine jungen Gedanken sprühen wie gepeitschte Sträucher an Sturzbächen; und du möchtest wie ich den Stürmen Gottes trotzen oder zerbrechen!
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Interpretation
Das Gedicht "An die Ersehnte" von Richard Dehmel thematisiert die Sehnsucht nach einer unbekannten Frau, die als Symbol für Reinheit und Züchtigung steht. Der Sprecher tauft sie "Gerte", was auf ihre schlanke Gestalt und die göttliche Absicht hinweist, ihn durch sie zu züchtigen. Die Vergleiche mit Pappeln im April und die Beschreibung ihres Ganges unterstreichen die innere Sehnsucht und das Verlangen nach Veränderung. Die zweite Strophe deutet auf eine zukünftige Begegnung hin, bei der die Frau an seine Tür klopfen wird. Der Sprecher erwartet, dass sie sich gegenseitig öffnen und ihre "zuchtlosen Brüste" klopfen werden, was auf eine körperliche und emotionale Verbindung hindeutet. Trotz der anfänglichen Unkenntnis scheint der Sprecher die Frau bereits zu kennen, wie ihre Augen und ihr Verlangen zu blühen zeigen. Die letzte Strophe beschreibt die Frau als jemanden, der wie der Sprecher den Stürmen Gottes trotzen oder zerbrechen möchte. Ihre Gedanken sprühen wie gepeitschte Sträucher an Sturzbächen, was auf ihre wilde und ungezähmte Natur hinweist. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass die Frau und der Sprecher eine tiefe Verbindung teilen, die über die physische Ebene hinausgeht und in der gemeinsamen Sehnsucht nach Veränderung und Herausforderung wurzelt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- und deine jungen Gedanken sprühen wie gepeitschte Sträucher an Sturzbächen
- Metapher
- deine Augen glänzen wie Knospen
- Personifikation
- und du möchtest wie ich den Stürmen Gottes trotzen oder zerbrechen
- Vergleich
- wie in schmächtigen Pappeln im April