An die deutschen Arbeiter
1867Der alte Mann in Rom befiehlt. Wem? Euch! Was hat er zu befehlen? Gehören willenlos die Seelen Dem Papste, dass er mit euch spielt?
So überlegt: Was weiß sie nur. Die ihn beherrscht, die Pfaffenclique, Von eurem Wollen, vom Geschicke, Von eurer Arbeit Wegespur?
Was will der Fremde? Darf er dreist Sich hier so als Gebieter geben? Was ist er euch ? Was eurem Leben ? Was eurem Ziel der Pfaffengeist?
Zürnt ihnen nicht! Nein, lacht sie aus! Sie glauben, mit geschriebnen Fetzen, Die treu sich bleiben, zu verhetzen, Und" drängen plump sich uns ins Haus.
Am Ende — ja — uns dauert schier Der alte Herr mit den Erlassen, Die, wie er glaubt, die Welt umfassen. Und sind doch wirklich nur— Papier.
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Interpretation
Das Gedicht "An die deutschen Arbeiter" von Ludwig Thoma richtet sich kritisch an die deutschen Arbeiter und fordert sie auf, sich gegen die Einflussnahme des Papstes in Rom zur Wehr zu setzen. Der alte Mann in Rom, der Papst, erlässt Befehle, die die Seelen der Arbeiter beherrschen sollen. Thoma hinterfragt, ob die Arbeiter willenlos den Anweisungen des Papstes folgen und sich von ihm manipulieren lassen sollen. Der Dichter stellt die Frage, was die Pfaffenclique, die den Papst beherrscht, eigentlich von den Wünschen, dem Schicksal und der Arbeit der deutschen Arbeiter weiß. Er hinterfragt die Motivation des Fremden, des Papstes, der sich hier dreist als Gebieter aufspielt. Thoma fragt, was der Papst den Arbeitern und ihrem Leben bedeutet und welchen Einfluss der Pfaffengeist auf ihre Ziele hat. Anstatt wütend auf die päpstlichen Erlasse zu reagieren, rät Thoma den Arbeitern, über die Versuche des Papstes zu lachen, sie mit geschriebenen Anweisungen zu verhetzen. Er sieht die päpstlichen Erlasse als bedeutungslos an, da sie nur aus Papier bestehen und die Welt nicht wirklich umfassen können. Thoma fordert die deutschen Arbeiter auf, sich nicht von den päpstlichen Anweisungen beeinflussen zu lassen und ihre eigene Autonomie zu bewahren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Wem? Euch! Was hat er zu befehlen?
- Hyperbel
- Die, wie er glaubt, die Welt umfassen.
- Metapher
- Der alte Mann in Rom befiehlt.
- Personifikation
- Sie glauben, mit geschriebnen Fetzen, Die treu sich bleiben, zu verhetzen
- Rhetorische Frage
- Was will der Fremde? Darf er dreist Sich hier so als Gebieter geben?