An der Krippe
1677Kleiner Knabe, großer Gott, schönste Blume, weiß und rot, von Maria neugeboren, unter tausend auserkoren, allerliebstes Jesulein, lasse mich dein Diener sein!
Nimm mich an, geliebtes Kind, und befiel mir nur geschwind, rege deine süßen Lippen, rufe mich zu deiner Krippen: tu mir durch deinen holden Mund deinen liebsten Willen kund.
Dir soll meine Seel′ allzeit samt den Kräften sein bereit, und mein Leib mit allen Sinnen soll nichts ohne dich beginnen; mein Gemüte soll an dich denken jetzt und ewiglich.
Nimm mich an, o Jesu mein, denn ich wünsche dein zu sein! Dein verleib′ ich, weil ich lebe, dein, wenn ich den Geist aufgebe. Wer dir dient, du starker Held, der beherrscht die ganze Welt.
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Interpretation
Das Gedicht "An der Krippe" von Angelus Silesius ist ein tief empfundenes Gebet, das die Hingabe und Liebe zu Jesus Christus ausdrückt. Der Dichter vergleicht das Jesuskind mit einem "kleinen Knaben" und einem "großen Gott", was die Dualität von Menschlichkeit und Göttlichkeit in Jesus betont. Die Beschreibung als "schönste Blume, weiß und rot" symbolisiert Reinheit und das Blut Christi, das für die Menschheit vergossen wurde. Maria wird als Mutterfigur verehrt, die Jesus "neugeboren" und "unter tausend auserkoren" hat, was die Einzigartigkeit und Besonderheit des Jesuskindes hervorhebt. Der zweite Teil des Gedichts ist eine persönliche Bitte an Jesus, den Dichter als seinen Diener anzunehmen. Der Dichter bittet Jesus, seine Lippen zu regen und ihn zur Krippe zu rufen, um seinen "liebsten Willen" zu erfahren. Dies zeigt die tiefe Sehnsucht des Dichters, Jesus näher zu sein und seinen Willen zu verstehen und zu erfüllen. Die Verwendung des Wortes "geliebtes Kind" unterstreicht die Zärtlichkeit und die persönliche Beziehung, die der Dichter zu Jesus empfindet. Im letzten Teil des Gedichts bekräftigt der Dichter seine Bereitschaft, Jesus mit seiner ganzen Seele, seinen Kräften und Sinnen zu dienen. Er verspricht, dass sein "Gemüte" (Gemüt) immer an Jesus denken wird, sowohl in der Gegenwart als auch in der Ewigkeit. Der Dichter bekennt, dass er Jesus angehören möchte, solange er lebt und auch nach dem Tod. Die abschließende Zeile, dass wer Jesus dient, "die ganze Welt" beherrscht, deutet darauf hin, dass die Hingabe an Jesus eine überweltliche Macht und Herrschaft verleiht, die über das Irdische hinausgeht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Kleiner Knabe, großer Gott, schönste Blume, weiß und rot, von Maria neugeboren, unter tausend auserkoren, allerliebstes Jesulein, lasse mich dein Diener sein!
- Apostrophe
- Kleiner Knabe, großer Gott, schönste Blume, weiß und rot
- Hyperbel
- Dein verleib′ ich, weil ich lebe, dein, wenn ich den Geist aufgebe. Wer dir dient, du starker Held, der beherrscht die ganze Welt.
- Metapher
- schönste Blume, weiß und rot
- Parallelismus
- Dein verleib′ ich, weil ich lebe, dein, wenn ich den Geist aufgebe
- Personifikation
- rege deine süßen Lippen, rufe mich zu deiner Krippen