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An der Krippe

Von

Kleiner Knabe, großer Gott,
schönste Blume, weiß und rot,
von Maria neugeboren,
unter tausend auserkoren,
allerliebstes Jesulein,
lasse mich dein Diener sein!

Nimm mich an, geliebtes Kind,
und befiel mir nur geschwind,
rege deine süßen Lippen,
rufe mich zu deiner Krippen:
tu mir durch deinen holden Mund
deinen liebsten Willen kund.

Dir soll meine Seel′ allzeit
samt den Kräften sein bereit,
und mein Leib mit allen Sinnen
soll nichts ohne dich beginnen;
mein Gemüte soll an dich
denken jetzt und ewiglich.

Nimm mich an, o Jesu mein,
denn ich wünsche dein zu sein!
Dein verleib′ ich, weil ich lebe,
dein, wenn ich den Geist aufgebe.
Wer dir dient, du starker Held,
der beherrscht die ganze Welt.

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Gedicht: An der Krippe von Angelus Silesius

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „An der Krippe“ von Angelus Silesius ist ein inniges Gebet, das die Verehrung und den Wunsch nach engster Verbundenheit mit dem neugeborenen Jesuskind zum Ausdruck bringt. Es ist von tiefer Frömmigkeit und demütiger Hingabe geprägt, wie sie in der christlichen Mystik oft zu finden ist. Der Autor verwendet eine einfache, zugängliche Sprache, die die kindliche Unschuld und die Freude über die Geburt Christi widerspiegelt.

In den ersten beiden Strophen wird die kindliche Gestalt Jesu in liebevollen Bildern beschrieben, wie „schönste Blume, weiß und rot“ und „allerliebstes Jesulein“. Diese Metaphern unterstreichen die Schönheit und Unschuld des göttlichen Kindes. Der Sprecher bittet darum, als Diener angenommen zu werden und sehnt sich danach, Gottes Willen zu erfahren. Die Bitte nach Gottes Geboten zeugt von einem tiefen Wunsch nach Führung und Erleuchtung durch die göttliche Gnade. Das Gedicht strahlt eine Atmosphäre der Verehrung und des Staunens aus.

Die dritte Strophe vertieft das Bekenntnis des Sprechers zur vollständigen Hingabe an Jesus. Seele, Leib und Geist sollen dem Dienst Gottes geweiht sein. Alle Sinne und Gedanken sollen sich auf ihn ausrichten. Diese Zeilen spiegeln das Ideal der umfassenden Gottesliebe wider, das in vielen mystischen Traditionen zentrale Bedeutung hat. Es ist ein Ausdruck der totalen Selbstaufopferung und des Wunsches, in jeder Facette des eigenen Lebens von Gott geleitet zu werden.

Die abschließende vierte Strophe bekräftigt den Wunsch, Jesus für immer anzugehören – im Leben und im Tod. Der Sprecher sieht die Zugehörigkeit zu Jesus als Quelle unermesslicher Kraft und als Weg zur Herrschaft über die Welt, eine Aussage, die die Überzeugung des Sprechers widerspiegelt, dass die Verbindung mit Gott letztlich zum höchsten Glück und zur Erfüllung führt. Das Gedicht ist somit ein Lobgesang auf Jesus und ein Gebet um ewige Gemeinschaft mit ihm.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.