An den Wind

Nikolaus Lenau

1802

Ich wandre fort ins ferne Land; Noch einmal blickt′ ich um , bewegt, Und sah, wie sie den Mund geregt Und wie gewinket ihre Hand.

Wohl rief sie noch ein freundlich Wort Mir nach auf meinem trüben Gang, Doch hört ich nicht den liebsten Klang, Weil ihn der Wind getragen fort.

Daß ich mein Glück verlassen muß, du rauher; kalter Windeshauch, Ist′s nicht genug, daß du mir auch Entreißest ihren letzten Gruß?

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Illustration zu An den Wind

Interpretation

Das Gedicht "An den Wind" von Nikolaus Lenau beschreibt die emotionale Reise eines Wanderers, der sich von einem geliebten Ort oder einer Person entfernt. Der Sprecher blickt zum letzten Mal zurück und sieht, wie sie den Mund bewegt und ihre Hand winkt, was auf eine Abschiedsszene hindeutet. Trotz des freundlichen Wortes, das ihr nachgesendet wird, kann der Wanderer den Klang nicht hören, da der Wind ihn fortträgt. Dies symbolisiert die Trennung und das Gefühl der Isolation, das der Wanderer empfindet. Der zweite Teil des Gedichts richtet den Fokus auf den Wind selbst, der als rau und kalt beschrieben wird. Der Sprecher fragt sich, ob es nicht genug sei, dass der Wind sein Glück fortgetragen hat, und ob er ihm auch noch den letzten Gruß rauben muss. Dies verdeutlicht die tiefe Traurigkeit und den Verlust, den der Wanderer durch die Trennung erfährt. Der Wind wird als eine Kraft dargestellt, die nicht nur physisch, sondern auch emotional zerstörerisch ist. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine starke emotionale Tiefe und zeigt die Schwierigkeit, sich von etwas oder jemandem zu trennen. Die Natur, insbesondere der Wind, wird als Metapher für die unaufhaltsame Zeit und die unausweichlichen Veränderungen im Leben verwendet. Lenau nutzt diese Elemente, um die universelle Erfahrung des Abschieds und des Verlusts zu erforschen.

Schlüsselwörter

fort wandre ferne land einmal blickt bewegt sah

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Stilmittel

Anapher
Ich wandre fort ins ferne Land; Noch einmal blickt′ ich um , bewegt,
Metapher
du rauher; kalter Windeshauch
Personifikation
Doch hört ich nicht den liebsten Klang, Weil ihn der Wind getragen fort.
Rhetorische Frage
Ist′s nicht genug, daß du mir auch Entreißest ihrer letzten Gruß?