An den Wein

Anna Louisa Karsch

1792

Wein! ich möchte dich bald haßen, Ich bin deiner Allmacht feind, Denn du willst mir meinen Freund Immer nicht vom Becher lassen. Du bist meiner Freuden Dieb, Könnt ich dich doch ganz verachten. Milon hat dich gar zu lieb, Und mich läßt er schmachten. - Loben wollt ich die Begier, Wein zu trinken halbe Nächte, Wenn mein Milon nur mit mir Manchen Abend zechte; Aber nun trinkt er den Wein Mit den Männern ganz allein. Ha ihr Männer, ha ihr Zecher, Amor jag euch von dem Becher Durch die Pfeile, die im Köcher Aufgesammlet sind zur Pein Aller Herzenbrecher.

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Illustration zu An den Wein

Interpretation

Das Gedicht "An den Wein" von Anna Louisa Karsch thematisiert die Eifersucht und den Kummer einer Frau, deren Geliebter Milon zu viel Zeit mit dem Trinken von Wein verbringt, anstatt mit ihr. Die Sprecherin fühlt sich vom Wein bestohlen, da er ihr die Aufmerksamkeit und Zuneigung ihres Liebsten raubt. Sie beschreibt den Wein als mächtig und feindlich, da er Milon von ihr fernhält. Die Sprecherin wünscht sich, den Wein hassen und verachten zu können, doch sie kann es nicht, da Milon ihn so sehr liebt. Sie sehnt sich danach, dass Milon mit ihr gemeinsam den Wein genießt, anstatt ihn mit anderen Männern allein zu trinken. Die Eifersucht der Sprecherin wird deutlich, als sie die Männer und Zecher verflucht und sich wünscht, dass Amor sie mit seinen Pfeilen bestraft, da sie ihr Herz gebrochen haben. Das Gedicht verdeutlicht die Macht, die der Wein über die Beziehung der Sprecherin zu Milon hat. Der Wein wird als Hindernis für ihre Liebe und als Ursache für ihre Einsamkeit dargestellt. Die Sprecherin fühlt sich vernachlässigt und sehnt sich nach der Aufmerksamkeit und Zuneigung ihres Geliebten, die sie durch seinen übermäßigen Weinkonsum verliert.

Schlüsselwörter

wein becher ganz milon möchte bald haßen allmacht

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Stilmittel

Anapher
Ha ihr Männer, ha ihr Zecher
Hyperbel
Aller Herzenbrecher
Metapher
Du bist meiner Freuden Dieb
Personifikation
Amor jag euch von dem Becher