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An den Wasserfall

Von

Ist das der Ort, wo sonst Entzyken
Im sanften Schatten auf mich kam?
Bist du es, Fels! wo aus den Stræuchen
Die Quelle hoch herunterstyrzt?

Da wo sonst deine klare Quelle
Auf Schaum und Moos herab sich styrzt,
Da blinkt von Eis izt eine Sæule
Vom unterhoelten Fels herab.

Wie oed, wie nakt sind die Gestræuche,
Wo sonst im dunkeln Laub-Gewoelb
Die Zephir mit den Blythen spielten,
Und mit dem sanft-bewegten Laub,

Daß schnell-verschwundne Sonnen-Stralen
Auf Wellen, Schaum und weichem Moos,
Wie Lichter durch den Schatten blizten,
Wie oed, wie nakt hængt ihr herab!

Doch bald, bald koemmt der Fryhling wieder,
Hængt yber dich ein frisch Gewoelb,
Und oefnet die verschloßne Quelle,
Daß Kyhlung mit den Wellen fließt.

O dann nihm mich in deine Schatten,
Wo keine bange Sorg mich findt,
Du Wasser-Fall und du Gebysche,
Du Lager von dem weichsten Moos!

Dann koemmt vom Thal und von den Hygeln,
Vom dunkeln Wald und von der Flur,
Mir koemmt von jeder Fryhlings-Blume
Ein froh Entzyken in die Brust.

Und, koennt’ ich einen Fyrst beneiden,
Wenn neben mir im kalten Bach
Die Wellen mit der Flasche spielen,
Von altem Wein hoch aufgefyllt,

Und wenn in deinem kyhlen Schatten
Mir oft ein frohes Lied gelingt,
Das noch mit Unschuld-voller Freude
Des spæten Enkels Brust erfyllt?

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Gedicht: An den Wasserfall von Salomon Gessner

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „An den Wasserfall“ von Salomon Gessner beschreibt eine melancholische Betrachtung des Zustands einer winterlichen Landschaft und die Sehnsucht nach dem Frühling, der Erneuerung und der Freude. Die ersten beiden Strophen etablieren die Szenerie: Der einst lebendige Ort, an dem die Geliebte verweilte, ist nun verändert, erstarrt in Eis, wo vorher die Quelle sanft herabfloss. Die Natur, einst voller Leben, ist nun öde und kahl.

Die folgenden Strophen vertiefen die Trauer über den Verlust der Schönheit. Die Zeilen erinnern an die Zeit, in der die Zephyr (Westwind) und die Blüten spielten, Sonnenstrahlen auf dem Wasser tanzten und alles von lebendigem Grün umgeben war. Die Betonung von „Wie öd, wie nackt“ unterstreicht die Verlassenheit und die Sehnsucht nach der verlorenen Pracht der Natur. Das lyrische Ich scheint durch die Tristesse der Jahreszeit auch eine innere Leere zu verspüren.

Die Hoffnung auf Erneuerung wird in der fünften Strophe geweckt. Der Frühling, als Symbol der Wiedergeburt und des Neubeginns, wird herbeigesehnt. Das lyrische Ich träumt davon, bald wieder im Schatten des Wasserfalls Ruhe zu finden und die Sorgen hinter sich zu lassen. Diese Zeilen zeigen die Sehnsucht nach Trost und Geborgenheit, die in der Natur gefunden werden sollen.

Die letzten Strophen drücken die tiefe Verbundenheit des lyrischen Ichs mit der Natur und seine Glückseligkeit aus, wenn der Frühling zurückkehrt. Die Vision umfasst die Freude, die von den Blumen und dem Wasserfall ausgeht, und das Glück, ein einfaches Leben in der Natur zu führen. Die Vorstellung vom Weingenuss und vom Gesang im kühlen Schatten unterstreicht die einfache Lebensfreude, die dem lyrischen Ich wichtig ist und das unbeschwerte Glück der Unschuld darstellt. Das Gedicht endet mit einer Vision von Glückseligkeit und einem Wunsch, dieses Glück auch an künftige Generationen weiterzugeben.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.