An den Vulkan

Karl Wilhelm Ramler

1830

Dir, o Sohn der Juno! sey dieser Marmorheerd heilig, Herrscher der Feueressen in Lemnos, Der du mit flammender Lohe den aufgebläheten Xanthus Halb verraucht in sein Lager zurück zwangst, Daß du den Boreas hier und sein kaltes Gefolge verjagest. Dankbar weih’ ich dir täglich ein Opfer, Ein unsträfliches Blatt, von der schönen Elvire geschrieben, Der Vermählten des mürrischen Balbus. Daß kein böser Verdacht die muntere Freundin entehre, Lodre dir, eifersüchtigem Gatten Der süß lächelnden Cypria, sonder Reue dies Opfer, Wann ich am Morgen vor deinem Altare Die geröstete Frucht des Arabischen Kaffeebaums trinke, Und ein blaues Ambrosienwölkchen Mir die Stirn umwirbelt, gleich einem der seligen Götter; Oder am Abend den Fürsten der Deutschen Weine versuche, den einst er reiche Patricier Ulfo Feierlich schwur so lange zu schonen, Bis ihm ein lachender Sohn entgegen lallte; der aber, Dreißig Jahre sein Weibchen bewachend, Ohne Sohn verstarb und ohne den sorgsam bewahrten Festwein, dessen Erlösung anhebt.

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Illustration zu An den Vulkan

Interpretation

Das Gedicht "An den Vulkan" von Karl Wilhelm Ramler ist ein kunstvolles Loblied auf den römischen Gott Vulkan, den Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Der Sprecher richtet sich direkt an den Gott und bittet ihn, seinen Marmorherd zu heiligen. Er erinnert an Vulkans Macht, als er den Xanthus-Fluss mit flammender Lohe halb verrauchen ließ und den Boreas sowie sein kaltes Gefolge vertrieb. Der Sprecher verspricht, dem Gott täglich ein Opfer darzubringen, nämlich ein unsträfliches Blatt, geschrieben von Elvire, der Gattin des mürrischen Balbus. Das Gedicht spielt mit dem Thema der Eifersucht und des Verdachts. Der Sprecher bittet den eifersüchtigen Gatten der süß lächelnden Cypria, das Opfer ohne Reue zu verbrennen. Dies deutet darauf hin, dass der Gatte misstrauisch gegenüber der Freundschaft zwischen Elvire und dem Sprecher sein könnte. Das Opfer besteht aus gerösteter Frucht des arabischen Kaffeebaums, die der Sprecher am Morgen vor Vulkans Altar trinkt. Das Kaffeewölkchen, das sich um seine Stirn windet, erinnert ihn an die seligen Götter. Im zweiten Teil des Gedichts wird ein weiterer Wein erwähnt, der Fürst der Deutschen. Dieser Wein wurde einst von Patricier Ulfo feierlich geschworen, so lange geschont zu werden, bis ihm ein lachender Sohn entgegen lallte. Doch Ulfo verstarb ohne Sohn und ohne den sorgsam bewahrten Festwein, dessen Erlösung nun anhebt. Dies deutet darauf hin, dass der Wein nun endlich geöffnet und genossen werden kann, da die Bedingung für seine Aufbewahrung nicht mehr erfüllt ist. Insgesamt ist "An den Vulkan" ein kunstvolles Gedicht, das die Themen der Freundschaft, der Eifersucht und der Zeit thematisiert. Es spielt mit antiken Mythen und Göttern und verbindet sie mit zeitgenössischen Elementen wie Kaffee und deutschem Wein. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, über die Vergänglichkeit des Lebens und die Bedeutung von Freundschaft und Genuss nachzudenken.

Schlüsselwörter

sohn opfer juno sey marmorheerd heilig herrscher feueressen

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Stilmittel

Allusion
Der süß lächelnden Cypria
Anapher
Dir, o Sohn der Juno! sey dieser Marmorheerd heilig, Herrscher der Feueressen in Lemnos, Der du mit flammender Lohe den aufgebläheten Xanthus Halb verraucht in sein Lager zurück zwangst
Hyperbel
Dankbar weih' ich dir täglich ein Opfer
Kontrast
Oder am Abend den Fürsten der Deutschen Weine versuche, den einst er reiche Patricier Ulfo Feierlich schwur so lange zu schonen
Metapher
Ein unsträfliches Blatt, von der schönen Elvire geschrieben
Personifikation
Daß du den Boreas hier und sein kaltes Gefolge verjagest
Symbolik
Das blaues Ambrosienwölkchen