An den verlornen Schlaf

Friedrich von Hagedorn

1898

Wo bist du hin, du Tröster in Beschwerde, Mein güldner Schlaf? An dem ich sonst die Größesten der Erde Weit übertraf. Du hast mich oft an Wassern und an Büschen Sanft übereilt, Und konntest mich mit beßrer Rast erfrischen, Als mir vorjetzt der weiche Pfühl ertheilt.

Allein bedeckt vom himmlischen Gewölbe Schlief ich dann ein. Die stolze Thems, die Saal und Hamburgs Elbe Kann Zeugin sein. Dort hab′ ich oft, in längstvergrünten Jahren, Mich hingelegt, Und hoffnungsreich, in Sorgen unerfahren, Der freien Ruh′ um ihren Strand gepflegt.

Wie säuselten die Lüfte so gelinde Zu jener Ruh′! Wie spielten mir die Wellen und die Winde Den Schlummer zu! Mich störte nicht der Ehrsucht reger Kummer, Der vielen droht; Ich war, vertieft im angenehmsten Schlummer, Für alle Welt, nur nicht für Phyllis, todt.

Sie eilte dort, in jugendlichen Träumen, Mir immer nach; Bald in der Flur, bald unter hohen Bäumen, Bald an dem Bach. Oft stolz im Putz, oft leicht im Schäferkleide, Mit offner Brust, Stets lächelnd hold im Ueberfluß der Freude: Schön von Gestalt, noch schöner durch die Lust.

Mein alter Freund, mein Schlaf, erscheine wieder! Wie wünsch ich dich! Du Sohn der Nacht, o breite dein Gefieder Auch über mich! Verlaß dafür den Wuchrer, ihn zu strafen, Den Trug ergötzt: Hingegen laß den wachen Codrus schlafen, Der immer reimt und immer übersetzt.

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Illustration zu An den verlornen Schlaf

Interpretation

Das Gedicht "An den verlornen Schlaf" von Friedrich von Hagedorn ist ein lyrisches Werk, das die Sehnsucht nach erholsamem Schlaf und die damit verbundenen Erinnerungen thematisiert. Der Sprecher beklagt den Verlust des Schlafes, der ihm einst Trost und Erholung in Zeiten der Beschwerde brachte. Der Schlaf wird als "güldner Schlaf" bezeichnet, was seine kostbare und wertvolle Natur unterstreicht. Der Sprecher erinnert sich an vergangene Zeiten, in denen er in der Natur, unter freiem Himmel, einen tiefen

Schlüsselwörter

oft bald schlaf ruh schlummer hin tröster beschwerde

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Stilmittel

Anapher
Bald in der Flur, bald unter hohen Bäumen, Bald an dem Bach.
Bildsprache
Wie säuselten die Lüfte so gelinde Zu jener Ruh′! Wie spielten mir die Wellen und die Winde Den Schlummer zu!
Hyperbel
Ich war, vertieft im angenehmsten Schlummer, Für alle Welt, nur nicht für Phyllis, todt.
Kontrast
Mich störte nicht der Ehrsucht reger Kummer, Der vielen droht; Ich war, vertieft im angenehmsten Schlummer, Für alle Welt, nur nicht für Phyllis, todt.
Metapher
Du Sohn der Nacht, o breite dein Gefieder Auch über mich!
Personifikation
Wo bist du hin, du Tröster in Beschwerde, Mein güldner Schlaf?
Symbolik
Phyllis