An den Tod
unbekanntWas fühlst du für Vergnügen, In schreckender Gestalt Dich einem Kind zu zeigen, Das schon zum Grabe wallt?
Was hab′ ich denn genossen (Nimmst du die Freuden weg, Die meinem Geist geworden) Auf meinem Lebensweg?
Erst nahmst du mir die Brüder; Dann Vater, unsern Hort; Noth machte mir die Heimath Fast zum Verbannungsort.
Hat mich nicht der Gedanke Gequält, früh brech′ mein Herz? Und mehr als eignes Leiden Der guten Mutter Schmerz?
Zum mindsten laß mich ruhig Vollenden meine Bahn! Hab′ jemals einem Menschen Ich was zu Leid gethan?
Ich sterbe jung, und hoffte, Ich würde alt, sehr alt; Und sterb′ ich heut, - ist morgen Mein Namen schon verhallt!
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Interpretation
Das Gedicht "An den Tod" von Elisabeth Kulmann ist ein eindringlicher Appell an den Tod, der in seiner schrecklichen Gestalt einem Kind erscheint, das bereits auf dem Weg zum Grabe ist. Die Autorin fragt, was der Tod für Vergnügen daran findet, einem Kind, das bereits so viel Leid erfahren hat, seine Freude zu nehmen. Sie reflektiert über die Freuden, die ihr Geist erlangt hat, und fragt sich, was sie auf ihrem Lebensweg sonst noch genossen hat. Die Autorin beschreibt, wie der Tod ihr nacheinander ihre Brüder und ihren Vater genommen hat, was ihre Heimat fast zu einem Verbannungsort gemacht hat. Sie fragt sich, ob der Gedanke, dass ihr Herz früh brechen könnte, sie nicht gequält hat, und ob der Schmerz ihrer guten Mutter nicht größer war als ihr eigenes Leid. Sie bittet den Tod, sie ruhig ihre Bahn vollenden zu lassen und fragt, ob sie jemals einem Menschen etwas zu Leid getan hat. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass die Autorin jung sterben wird, obwohl sie gehofft hatte, alt zu werden. Sie fragt sich, ob ihr Name schon morgen verhallt sein wird. Das Gedicht ist ein eindringlicher Appell an den Tod, der die tiefe Trauer und den Schmerz der Autorin über den Verlust ihrer Liebsten und die eigene Sterblichkeit zum Ausdruck bringt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Erst nahmst du mir die Brüder; Dann Vater, unsern Hort
- Hyperbel
- Fast zum Verbannungsort
- Kontrast
- Ich sterbe jung, und hoffte, Ich würde alt, sehr alt
- Metapher
- Dich einem Kind zu zeigen
- Personifikation
- Was fühlst du für Vergnügen