An den Tod
1813Halb aus dem Schlummer erwacht, Den ich traumlos getrunken, Ach, wie war ich versunken In die unendliche Nacht!
Tiefes Verdämmern des Seins, Denkend nichts, noch empfindend! Nichtig mir selber entschwindend, Schatte mit Schatten zu eins!
Da beschlich′s mich so bang, Ob auch, den Bruder verdrängend, Geist mir und Sinne verengend, Listig der Tod mich umschlang.
Schaudernd dacht′ ich′s, und fuhr Auf, und schloß mich ans Leben, Drängte in glühndem Erheben Kühn mich an Gott und Natur.
Siehe, da hab ich gelebt: Was sonst, zu Tropfen zerflossen, Langsam und karg sich ergossen, Hat mich auf einmal durchbebt.
Oft noch berühre du mich, Tod, wenn ich in mir zerrinne, Bis ich mich wieder gewinne Durch den Gedanken an dich!
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Interpretation
Das Gedicht "An den Tod" von Friedrich Hebbel beschreibt eine existenzielle Auseinandersetzung des lyrischen Ichs mit dem Tod. In der ersten Strophe wird ein traumloser Schlaf beschrieben, der das Ich in die "unendliche Nacht" versinken lässt. Dies symbolisiert den Zustand des Nichtseins, den der Tod mit sich bringt. In der zweiten Strophe vertieft sich dieses Gefühl der Auflösung. Das Ich verliert jegliches Denken und Empfinden, löst sich selbst auf und verschmilzt mit den Schatten. Diese Passage verdeutlicht die Furcht vor dem völligen Verlust des Selbst im Angesicht des Todes. Die dritte und vierte Strophe zeigen eine Wendung im Gedicht. Das Ich erwacht aus seinem Zustand der Auflösung, erschreckt über die Vorstellung, dass der Tod es umschlingen könnte. Es schließt sich daraufhin dem Leben an, erhebt sich mutig und verbindet sich mit Gott und Natur. Dieser Akt des Lebensbejahung führt zu einer neuen Intensität des Lebensgefühls. In der fünften und sechsten Strophe wird die positive Wirkung dieses Erlebnisses betont. Das Ich hat durch die Konfrontation mit dem Tod eine neue Lebendigkeit gewonnen. Der Tod wird nicht mehr als Bedrohung, sondern als ein Mittel zur Stärkung des Lebensgefühls gesehen. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass die Berührung durch den Tod das Ich dazu bringt, sich wieder zu finden und zu neuem Leben zu erwachen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Hat mich auf einmal durchbebt
- Metapher
- Hat mich auf einmal durchbebt
- Personifikation
- Bis ich mich wieder gewinne