An den Rhein

Herbert Eulenberg

1949

Gewalt’ger Bruder, wag ich es, dein Bild, das immerzu an mir vorüberfließt und sich voll Majestät in mich ergießt, im Vers zu spiegeln als dein helles Schild:

Ich diene dir getreu an meiner statt. Mein Haus prangt fest an deinem weichen Rand, mit blanken Augen froh dir zugewandt, sieht es wie ich sich niemals an dir satt.

Am liebsten freilich bist du uns bei Nacht. Du schläfst nicht ein, ziehst deine große Bahn gleich uns gewunden durch des Daseins Macht

Dem Meer, dem Tode zu. Du fühlst ihn nahn, und unter den Gestirnen wirr entfacht singst du im Sterben leise wie ein Schwan.

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Illustration zu An den Rhein

Interpretation

Das Gedicht "An den Rhein" von Herbert Eulenberg ist eine Hommage an den Fluss Rhein. Der Sprecher betrachtet den Rhein als einen mächtigen Bruder, dessen Bild ständig an ihm vorbeifließt und sich mit Majestät in ihm ergießt. Er versucht, dieses Bild im Vers zu spiegeln und dem Rhein ein helles Schild zu sein. Der Sprecher fühlt sich dem Rhein treu ergeben und betrachtet sich selbst als Diener des Flusses. Sein Haus prangt fest an dem weichen Rand des Rheins und blickt mit blanken Augen freudig auf den Fluss. Der Sprecher und sein Haus können sich niemals an dem Anblick des Rheins satt sehen. Besonders in der Nacht fühlt sich der Sprecher dem Rhein verbunden. Der Fluss schläft nicht ein, sondern zieht seine große Bahn durch die Macht des Daseins, ähnlich wie der Sprecher und sein Haus. Der Rhein strebt dem Meer und dem Tod entgegen, spürt seine eigene Sterblichkeit und singt unter den wirren Sternen leise wie ein Schwan, während er stirbt.

Schlüsselwörter

gewalt ger bruder wag bild immerzu vorüberfließt voll

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Stilmittel

Metapher
unter den Gestirnen wirr entfacht
Personifikation
Du schläfst nicht ein, ziehst deine große Bahn
Vergleich
singst du im Sterben leise wie ein Schwan