An den Mond

Elisabeth Kulmann

unbekannt

Mond, meiner Seele Liebling, Wie siehst du heut so blaß? Ist eines deiner Kinder, O Mond, vielleicht unpaß?

Kam dein Gemahl, die Sonne, Vielleicht dir krank nach Haus? Und du trittst aus der Wohnung, Weinst deinen Schmerz hier aus?

Ach! guter Mond, ein gleiches Geschick befiel auch mich. Drin liegt mir krank die Mutter, Hat mich nur jetzt um sich!

So eben schloß ihr Schlummer Das Aug ein Weilchen zu; Da wich, mein Herz zu stärken, Vom Ort ich ihrer Ruh.

Trost sei mir, Mond, dein Anblick, Ich leide nicht allein: Du bist der Welt Mitherrscher, Und kannst nicht stets dich freun!

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Illustration zu An den Mond

Interpretation

Das Gedicht "An den Mond" von Elisabeth Kulmann ist eine lyrische Betrachtung des Mondes, die eine tiefe emotionale Verbindung zwischen dem lyrischen Ich und dem Himmelskörper herstellt. Der Mond wird als "Seele Liebling" bezeichnet, was eine intime Beziehung andeutet. Das lyrische Ich bemerkt die blasse Erscheinung des Mondes und spekuliert über mögliche Gründe dafür, indem es den Mond personifiziert und ihm menschliche Sorgen und Gefühle zuschreibt. Die Vorstellung, dass der Mond um seine Kinder oder seinen "Gemahl", die Sonne, besorgt ist, verleiht dem Gedicht eine romantische und melancholische Stimmung. In den folgenden Strophen findet das lyrische Ich eine Parallele zwischen seinem eigenen Schicksal und dem des Mondes. Es offenbart, dass auch es mit Krankheit und Sorgen konfrontiert ist, da seine Mutter krank ist und es von ihr getrennt ist. Diese Offenbarung schafft eine Brücke zwischen dem lyrischen Ich und dem Mond, indem es eine geteilte Erfahrung von Leid und Sorge betont. Die Abwesenheit des lyrischen Ichs von der Seite seiner Mutter, um Trost im Anblick des Mondes zu finden, unterstreicht die Suche nach Trost und Verständnis in der Natur. Das Gedicht schließt mit einer Botschaft der Solidarität und des geteilten Leids. Der Mond wird als "Mitherrscher" der Welt bezeichnet, was seine Bedeutung und Allgegenwart unterstreicht. Das lyrische Ich findet Trost darin, dass es nicht allein ist, da auch der Mond, trotz seiner Macht und Schönheit, nicht immer Freude empfinden kann. Diese Erkenntnis bietet dem lyrischen Ich Trost und ein Gefühl der Verbundenheit mit dem Universum, was die menschliche Erfahrung von Leid und die Suche nach Trost in der Natur und in der geteilten Erfahrung widerspiegelt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Frage
Wie siehst du heut so blaß?
Hyperbel
Du bist der Welt Mitherrscher
Metapher
Und kannst nicht stets dich freun!
Personifikation
Trost sei mir, Mond, dein Anblick
Vergleich
Ach! guter Mond, ein gleiches Geschick befiel auch mich.