An den Mond
1783Lächle, lächle lieber Mond In der Zelle Nacht, Wo die stille Liebe wohnt, Wo die Sehnsucht wacht.
Meines Herzens ew′gen Drang Bring′ ihn doch zur Ruh, Sing′ ihm süßen Wiegensang, Tröstungen ihm zu.
Lächle mit dem Himmelstrahl Trauter, lieber Mond In das stille Friedensthal, Wo die Freundin wohnt.
Ströme deinen Segensquell Hin auf ihr Gemüth, Das so lieblich, rein und hell Wie dein Antlitz blüht.
Zeuge meiner Seligkeit, Meiner Freundin Freund, Der oft still und ohne Neid Mich mit ihr vereint.
Ist der Tag nicht bald vollbracht, Holder Bundesstern? Ach, ist die Vermählungsnacht Immer noch so fern?
Mond, wann fällt dein bleicher Strahl Lächelnder herab Auf das ew′ge Friedensthal, Auf das stille Grab,
Wo die Sehnsucht schläft und ruht, Ach wohin sie zieht, Wenn mit ihrem höchsten Gut Sie der Erd′ entflieht?
Mond, mein Geist fliegt auf zu dir, Um den Ort zu weihn, Wo er eins mit Ihr, mit Ihr, Seliger wird sein.
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Interpretation
Das Gedicht "An den Mond" von Max von Schenkendorf ist eine lyrische Anrufung des Mondes, die tiefe Sehnsucht und emotionale Verzweiflung zum Ausdruck bringt. Der Sprecher wendet sich direkt an den Mond und bittet ihn, in einer nächtlichen Zelle zu lächeln, wo stille Liebe und Sehnsucht wohnen. Der Mond wird als tröstende und beruhigende Präsenz dargestellt, die den ewigen Drang des Herzens zur Ruhe bringen und süßen Trost spenden soll. Im weiteren Verlauf des Gedichts erweitert sich der Fokus auf eine geliebte Person, die in einem "stillen Friedensthal" wohnt. Der Sprecher bittet den Mond, seinen Segensquell auf das Gemüt der Geliebten zu strömen, das so rein und hell wie das Antlitz des Mondes selbst ist. Der Mond wird als Zeuge der Seligkeit und als stiller Begleiter in der Liebe dargestellt, der den Sprecher oft ohne Neid mit der Geliebten vereint. Das Gedicht endet mit einer tiefen Sehnsucht nach der Vereinigung mit der Geliebten im Tod. Der Sprecher fragt, wann der bleiche Strahl des Mondes lächelnd auf das ewige Friedensthal, das stille Grab, fallen wird, wo die Sehnsucht schläft und ruht. Der Geist des Sprechers fliegt zum Mond auf, um den Ort zu heiligen, an dem er eins mit der Geliebten sein wird, seliger als je zuvor. Das Gedicht vermittelt eine tiefe emotionale Intensität und die Hoffnung auf eine jenseitige Vereinigung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Mit Ihr, mit Ihr
- Metapher
- Mond, mein Geist fliegt auf zu dir
- Personifikation
- Lächle, lächle lieber Mond