An den Mond
1778Füllest wieder Busch und Tal Still mit Nebelglanz Lösest endlich auch einmal Meine Seele ganz;
Breitest über mein Gefild Lindernd deinen Blick, Wie des Freundes Auge mild Über mein Geschick.
Jeden Nachklang fühlt mein Herz Froh und trüber Zeit, Wandle zwischen Freud′ und Schmerz In der Einsamkeit.
Fließe, fließe, lieber Fluß, Nimmer werd ich froh, So verrauschte Scherz und Kuß, Und die Treue so.
Ich besaß es doch einmal Was so köstlich ist! Daß man doch zu seiner Qual Nimmer es vergißt!
Rausche, Fluß, das Tal entlang Ohne Rast und Ruh, Rausche, flüstre meinem Sang Melodien zu!
Wenn du in der Winternacht Wütend überschwillst, Oder um die Frühlingspracht Junger Knospen quillst.
Selig wer sich vor der Welt Ohne Haß verschließt, Einen Freund am Busen hält Und mit dem genießt,
Was von Menschen nicht gewußt Oder nicht bedacht. Durch das Labyrinth der Brust Wandelt in der Nacht.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An den Mond" von Johann Wolfgang von Goethe ist ein tiefgründiges und emotionales Werk, das die Sehnsucht und die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs zum Ausdruck bringt. Der Mond wird hier als Symbol für Trost und Verständnis dargestellt, der die Seele des Sprechers erleuchtet und beruhigt. Die Natur, insbesondere der Mond und der Fluss, wird als Spiegel der eigenen Gefühle und als Zuflucht vor der Welt interpretiert. Das lyrische Ich sehnt sich nach der Vergangenheit, als es noch glücklich war und die Liebe erfahren durfte. Die Erinnerung an diese Zeit ist jedoch auch mit Schmerz verbunden, da sie unwiederbringlich verloren ist. Der Fluss symbolisiert hier die unaufhaltsame Zeit, die vergeht und die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach der verlorenen Liebe verstärkt. Das Gedicht endet mit einer Art Resignation und Akzeptanz der Einsamkeit. Das lyrische Ich wendet sich von der Welt ab und sucht Trost in der Natur und in der Erinnerung an einen Freund. Die Nacht und das Labyrinth der Brust symbolisieren die innere Zerrissenheit und die Suche nach dem verlorenen Glück.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Fließe, fließe, lieber Fluß
- Bildsprache
- Rausche, Fluß, das Tal entlang
- Hyperbel
- Nimmer werd ich froh
- Kontrast
- Ohne Haß verschließt