An den Mond

Gabriele von Baumberg

1839

Verschwiegner Mond, wärst du ein Spiegel: O wie viel lieber wandelt’ ich Auf diesem bunten Blumenhügel! O wie viel lieber säh’ ich dich!

Trotz diesen zwischen uns gelegnen Gebürgen würde dann mein Blick Dem seinigen so oft begegnen, Und niemand störte dieses Glück.

Doch strahl’ auch so uns Trost hernieder, Erheitre unsern Lebenslauf, Und höre meine frommen Lieder, Und trinke meine Thränen auf!

Sehnt Eduard, das Auge trübe, Die Brust voll Seufzer, sich nach mir: So birg ihm nicht, dass ich ihn liebe, Und bring ihm diesen Kuss dafür.

Doch siehst du ihn bey einer Schönen, Die mir ihn raubet: o! so zeig' Ihm keine dieser bangen Thränen! Bedaure mein Geschick, und – schweig!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu An den Mond

Interpretation

Das Gedicht "An den Mond" von Gabriele von Baumberg ist eine lyrische Reflexion über die Sehnsucht und die Unerreichbarkeit der Liebe. Die Sprecherin wünscht sich, dass der Mond ein Spiegel wäre, um sich selbst zu sehen und mit ihrem Geliebten verbunden zu sein, ohne von anderen gestört zu werden. Dies symbolisiert den Wunsch nach einer intimen und ungestörten Beziehung. In den folgenden Versen bittet die Sprecherin den Mond, weiterhin Trost und Freude in ihr Leben zu bringen. Sie bittet ihn, ihre frommen Lieder zu hören und ihre Tränen aufzunehmen, was ihre tiefe emotionale Verbundenheit mit dem Mond und ihre Hoffnung auf seine Unterstützung zeigt. Der Mond wird hier als ein tröstender und verstehender Begleiter dargestellt. Die letzte Strophe offenbart die Unsicherheit und Eifersucht der Sprecherin. Sie bittet den Mond, ihrem Geliebten Eduard nicht zu verraten, dass sie ihn liebt, wenn er sie vermisst, und ihm einen Kuss von ihr zu bringen. Doch wenn der Mond Eduard bei einer anderen schönen Frau sieht, soll er keine ihrer ängstlichen Tränen zeigen und stattdessen ihr Schicksal bedauern und schweigen. Dies zeigt die Verletzlichkeit und die Angst vor dem Verlust, die die Sprecherin empfindet.

Schlüsselwörter

viel lieber diesen thränen verschwiegner mond wärst spiegel

Wortwolke

Wortwolke zu An den Mond

Stilmittel

Apostrophe
Verschwiegner Mond, wärst du ein Spiegel
Hyperbel
Auf diesem bunten Blumenhügel
Kontrast
Doch siehst du ihn bey einer Schönen, Die mir ihn raubet: o! so zeig' Ihm keine dieser bangen Thränen! Bedaure mein Geschick, und – schweig!
Metapher
Verschwiegner Mond, wärst du ein Spiegel
Personifikation
Und höre meine frommen Lieder, Und trinke meine Thränen auf