An den Mond
unbekanntI.
Der Mond schien über′s Dünenland, Da lag ich hingestreckt im Sand Und sann und sann, das Auge wach.
Den Bahnen, die durch′s Weltmeer geh′n, Den Sternen, die am Himmel steh′n, Begierig fragt′ ich ihnen nach. -
Nun ist der Sterne Schein verglommen, Der Wellen Wege sind verschwommen, Auf lichten Schwingen naht der Tag.
Was mir der Sterne Schrift erschlossen? Was mir an Weisheit zugeflossen Aus Windesbraus und Wellenschlag?
Nicht frag′ ich mehr nach Thoren Art: Was unerforschbar uns verwahrt, Ich find′ es nie und nimmermehr!
Unendlichkeit im engen Raum, Von deines dunklen Schleiers Saum Tropft doch ein Schimmer Lichtes her.
II.
Stiller Mond! In quellender Fülle silbernen Lichtes steigst du auf: Und wallest gießend über die Wege der Nacht!
Herrlich thront Im Blau der Wolken die blendende Scheibe, flimmernd und fahl, Und weithin fluthet von dir ein milder Glanz.
Sage, wohnt Dir dort, unter Sternen, göttlichen Glückes unsterblich Theil? Oder klimmst du allnächtig in wachsender Sehnsucht
Empor, zu schau′n Aus ewiger Ferne der sterblichen Menschen wechselnd Geschlecht? - - Aber schweigend ziehst du dahin, ein leuchtend Geheimniß.
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Interpretation
Das Gedicht "An den Mond" von Felix Dahn thematisiert die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach Erkenntnis und Weisheit. In der ersten Strophe liegt der Sprecher im Sand und blickt auf den Mond und die Sterne. Er versucht, von ihnen Antworten auf seine Fragen nach dem Sinn des Lebens zu erhalten. Doch die Sterne erlöschen, der Tag bricht an und die Antworten bleiben aus. Das Ich erkennt, dass es die unendlichen Geheimnisse des Universums nie begreifen wird. In der zweiten Strophe richtet sich das lyrische Ich direkt an den Mond. Es beschreibt dessen strahlendes Aufsteigen am Himmel und den milden Glanz, den er verbreitet. Das Ich fragt sich, ob der Mond im Glück schwelgt oder ob er in Sehnsucht die Menschen betrachtet. Doch der Mond schweigt und zieht seine Bahn - ein leuchtendes Geheimnis. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Erkenntnis des lyrischen Ichs, dass die großen Fragen des Lebens unbeantwortet bleiben. Der Mond als Symbol der Unnahbarkeit und Ferne wird zum Sinnbild für die Unergründlichkeit des Universums. Das Ich muss sich damit abfinden, dass es die Geheimnisse der Unendlichkeit nicht enträtseln kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Auf lichten Schwingen naht der Tag
- Hyperbel
- Unendlichkeit im engen Raum
- Metapher
- ein leuchtend Geheimniß
- Personifikation
- Oder klimmst du allnächtig in wachsender Sehnsucht
- Rhetorische Frage
- Sage, wohnt Dir dort, unter Sternen, göttlichen Glückes unsterblich Theil?