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An den Mai

Von

Komm, lieber Mai, und mache
Die Bäume wieder grün!
Und laß mir an dem Bache
Die kleinen Veilchen blühn!
Wie möcht? ich doch so gerne
Ein Blümchen wieder sehn!
Ach lieber Mai, wie gerne
Einmal spazieren gehn!

In unsrer Kinderstube
Wir mir die Zeit so lang;
Bald werd? ich armer Bube
Vor Ungeduld noch krank.
Ach! bey den kurzen Tagen
Muß man sich obendrein
Mit den Vokabeln plagen,
Und immer fleißig seyn.

Mein neues Steckenpferdchen
Muß jetzt im Winkel stehn;
Denn draußen in dem Gärtchen
Kann man vor Schnee nicht gehn.
Im Zimmer ists zu enge,
Und stäubt auch gar zu viel,
Und die Mama ist strenge;
Sie schilt aufs Kinderspiel.

Am meisten aber dauret
Mich Lottens Herzeleid;
Das arme Mädchen lauret
Recht auf die Blumenzeit.
Umsonst hohl? ich ihr Spielchen
Zum Zeitvertreib herbey;
Sie sitzt in ihrem Stühlchen,
Wie?s Hühnchen auf dem Ey.

Ach wenns doch erst gelinder
Und grüner draußen wär!
Komm, lieber Mai! wir Kinder,
Wir bitten gar zu sehr.
O komm! und bring vor allen
Uns viele Rosen mit!
Bring? auch viel Nachtigallen
Und schöne Kukuks mit!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: An den Mai von Christian Adolph Overbeck

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „An den Mai“ von Christian Adolph Overbeck ist eine kindliche Bitte um die Ankunft des Frühlings. Es ist ein Appell an den Mai, die Natur wieder zum Leben zu erwecken und die Sehnsucht nach Freiheit und Unbeschwertheit zum Ausdruck zu bringen. Die Strophen folgen einem einfachen Reimschema (ABAB) und einer klaren Struktur, die die Unmittelbarkeit und Ehrlichkeit der kindlichen Gefühle widerspiegelt.

Die erste Strophe formuliert den zentralen Wunsch nach dem Erblühen der Natur: „Komm, lieber Mai, und mache / Die Bäume wieder grün!“. Die Bitte um grüne Bäume und blühende Veilchen unterstreicht die Sehnsucht nach dem Frühling, der mit Farben und Leben verbunden wird. Das „Blümchen“ und der „Spaziergang“ stehen symbolisch für die Freude an der Natur und die Bewegung, die im Winter gefesselt ist.

Die folgenden Strophen erweitern die Thematik und zeigen die Unzufriedenheit der Kinder mit der winterlichen Enge und den damit verbundenen Einschränkungen. Die „Kinderstube“ wird als Ort der Langeweile und des Lernzwangs beschrieben („Mit den Vokabeln plagen“). Das Steckenpferd, das im Winkel stehen muss, und die strenge Mutter verdeutlichen die Enge und das Fehlen von Spielraum. Auch die Sorge um Lottens „Herzeleid“ zeigt das Einfühlungsvermögen und die Empathie der Kinder.

Die letzte Strophe fasst die Bitten der Kinder zusammen und verstärkt den Wunsch nach dem Frühling. Der Appell „Komm, lieber Mai! wir Kinder, / Wir bitten gar zu sehr“ ist ein eindringlicher Ausdruck der kindlichen Sehnsucht. Die Erwartung von Rosen, Nachtigallen und Kuckucken symbolisiert die Freude an der Natur und die Hoffnung auf eine bessere, farbenfrohe und fröhliche Zeit. Das Gedicht ist somit ein kindliches Bekenntnis zur Liebe des Frühlings und seinem Einfluss auf die kindliche Lebenswelt.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.