An den Mai

Christian Adolph Overbeck

1776

Komm, lieber Mai, und mache Die Bäume wieder grün! Und laß mir an dem Bache Die kleinen Veilchen blühn! Wie möcht? ich doch so gerne Ein Blümchen wieder sehn! Ach lieber Mai, wie gerne Einmal spazieren gehn!

In unsrer Kinderstube Wir mir die Zeit so lang; Bald werd? ich armer Bube Vor Ungeduld noch krank. Ach! bey den kurzen Tagen Muß man sich obendrein Mit den Vokabeln plagen, Und immer fleißig seyn.

Mein neues Steckenpferdchen Muß jetzt im Winkel stehn; Denn draußen in dem Gärtchen Kann man vor Schnee nicht gehn. Im Zimmer ists zu enge, Und stäubt auch gar zu viel, Und die Mama ist strenge; Sie schilt aufs Kinderspiel.

Am meisten aber dauret Mich Lottens Herzeleid; Das arme Mädchen lauret Recht auf die Blumenzeit. Umsonst hohl? ich ihr Spielchen Zum Zeitvertreib herbey; Sie sitzt in ihrem Stühlchen, Wie?s Hühnchen auf dem Ey.

Ach wenns doch erst gelinder Und grüner draußen wär! Komm, lieber Mai! wir Kinder, Wir bitten gar zu sehr. O komm! und bring vor allen Uns viele Rosen mit! Bring? auch viel Nachtigallen Und schöne Kukuks mit!

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Illustration zu An den Mai

Interpretation

Das Gedicht "An den Mai" von Christian Adolph Overbeck thematisiert die Ungeduld eines Kindes auf den Frühling. Der Sprecher sehnt sich danach, dass der Mai kommt, um die Natur wieder grün werden zu lassen und die Veilchen am Bach blühen zu lassen. Er wünscht sich, wieder Blumen zu sehen und spazieren gehen zu können. Die zweite Strophe beschreibt die Langeweile und Ungeduld des Kindes während der Wintermonate. Es muss im Zimmer bleiben, sich mit Vokabeln quälen und kann nicht draußen spielen. Das neue Steckenpferd muss im Winkel stehen, weil der Schnee das Spielen im Garten verhindert. Das Zimmer ist zu eng und staubig, und die Mama schilt das Kind beim Spielen. Die dritte Strophe führt das Mädchen Lotte ein, die noch ungeduldiger auf den Frühling wartet. Sie sitzt traurig in ihrem Stühlchen und wartet auf die Blumenzeit. Das Kind versucht, sie mit Spielchen abzulenken, aber es nützt nichts. Das Gedicht endet mit der Bitte an den Mai, zu kommen und Blumen, Vögel und vor allem Rosen zu bringen, um die Kinder glücklich zu machen.

Schlüsselwörter

komm lieber mai gerne gehn muß draußen gar

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Stilmittel

Anapher
Komm, lieber Mai, und mache
Hyperbel
Vor Ungeduld noch krank
Metapher
Mein neues Steckenpferdchen
Personifikation
Komm, lieber Mai!
Vergleich
Wie's Hühnchen auf dem Ey