Meine Zahl ist vollkommen: ich schließe. Sei günstig, o Leser,
Triffst du nur wenigen Witz, thu von dem deinen hinzu.
An den Leser
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „An den Leser“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine knappe, prägnante Botschaft an den Rezipienten, die sich auf die Beziehung zwischen Autor und Leser konzentriert. Es handelt sich um eine kurze, zweizeilige Ansprache, die sowohl eine Bilanz zieht als auch eine Erwartungshaltung formuliert. Der Autor beendet hier scheinbar sein Werk und wendet sich direkt an den Leser, um eine letzte Bewertung zu erbitten.
Die erste Zeile „Meine Zahl ist vollkommen: ich schließe.“ deutet auf das Ende eines literarischen Schaffensprozesses hin. „Meine Zahl“ bezieht sich vermutlich auf die Anzahl der Gedichte oder die Vollendung des Werkes als Ganzes. Die Aussage „ich schließe“ impliziert den Abschluss, das Ende des Schreibens und die Übergabe des Werkes an den Leser. Der Autor signalisiert hier eine gewisse Selbstzufriedenheit oder zumindest das Gefühl, sein Werk abgeschlossen zu haben.
Die zweite Zeile „Sei günstig, o Leser, Triffst du nur wenigen Witz, thu von dem deinen hinzu.“ ist eine Bitte um wohlwollende Beurteilung. Waiblinger fordert den Leser auf, dem Werk gegenüber positiv eingestellt zu sein. Die Formulierung „Triffst du nur wenigen Witz“ lässt eine gewisse Bescheidenheit oder auch Skepsis des Autors erkennen. Er räumt die Möglichkeit ein, dass der Leser nicht immer den gewünschten ‚Witz‘ oder die Erwartungen erfüllt findet.
Indem der Autor den Leser auffordert, „von dem deinen hinzu“ zu tun, deutet er die aktive Rolle des Rezipienten an. Der Leser wird nicht nur als passiver Empfänger betrachtet, sondern als jemand, der das Werk durch seine eigene Interpretation und seinen Verstand ergänzt. Der Autor signalisiert hier eine gewisse Offenheit und die Bereitschaft, dass das Werk durch die Auseinandersetzung mit dem Leser vervollständigt wird. Es ist ein Aufruf zur aktiven Beteiligung und zur kreativen Ergänzung des Werkes durch den Leser, wodurch die Bedeutung des Gedichts erst vollends erblüht.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.
