An den König von Preussen

Heinrich von Kleist

1811

Was blickst du doch zu Boden schweigend nieder, Durch ein Portal siegprangend eingeführt? Du wendest dich, begrüßt vom Schall der Lieder, Und deine schöne Brust, sie scheint gerührt. Blick auf, o Herr! Du kehrst als Sieger wieder, Wie hoch auch jener Cäsar triumphiert: Ihm ist die Schar der Götter zugefallen, Jedoch den Menschen hast du wohlgefallen.

Du hast ihn treu, den Kampf, als Held getragen, Dem du, um nichtgen Ruhms, dich nicht geweiht! Du hättest noch, in den Entscheidungstagen, Der höchsten Friedensopfer keins gescheut. Die schönste Tugend, laß michs kühn dir sagen, Hat mit dem Glück des Krieges dich entzweit: Du brauchtest Wahrheit weniger zu lieben, Und Sieger wärst du auf dem Schlachtfeld blieben.

Laß denn zerknickt die Saat, von Waffenstürmen, Die Hütten laß ein Raub der Flammen sein; Du hast die Brust geboten, sie zu schirmen: Dem Lethe wollen wir die Asche weihn. Und müßt auch selbst noch, auf der Hauptstadt Türmen, Der Kampf sich, für das heilge Recht, erneun: Sie sind gebaut, o Herr, wie hell sie blinken, Für bessre Güter, in den Staub zu sinken!

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Illustration zu An den König von Preussen

Interpretation

Das Gedicht "An den König von Preussen" von Heinrich von Kleist ist eine Lobpreisung des preußischen Königs, der als siegreicher Held aus einem Kampf zurückkehrt. Der Dichter beschreibt die stolze Haltung des Königs, der durch ein Portal schreitet und von den Klängen der Lieder begrüßt wird. Kleist vergleicht den König mit Caesar und betont, dass der König zwar nicht die Gunst der Götter, aber die der Menschen gewonnen hat. Im zweiten Teil des Gedichts reflektiert Kleist über den Kampf, den der König als treuer Held geführt hat. Er stellt fest, dass der König den Kampf nicht um Ruhm geführt hat, sondern um eine höhere Sache. Kleist betont, dass die schönste Tugend des Königs, die Wahrheit, ihn vom Glück des Krieges getrennt hat. Er suggeriert, dass der König weniger wahrheitsliebend hätte sein müssen, um ein Sieger auf dem Schlachtfeld zu bleiben. Im letzten Teil des Gedichts fordert Kleist den König auf, die Zerstörung, die der Krieg mit sich bringt, zu akzeptieren. Er ermutigt den König, die Saat und die Hütten dem Raub der Flammen zu überlassen und die Asche dem Lethe zu weihen. Kleist schließt mit der Aussage, dass die Hauptstadt des Königs, symbolisiert durch ihre Türme, für bessere Güter gebaut wurde, selbst wenn sie in den Staub sinken.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Der höchsten Friedensopfer keins gescheut
Hyperbel
Für bessre Güter, in den Staub zu sinken
Metapher
Durch ein Portal siegprangend eingeführt
Personifikation
Dem Lethe wollen wir die Asche weihn
Vergleich
Wie hoch auch jener Cäsar triumphiert