An den Hoch-Edlen Gestrengen...
1637Ihr Nordstern letzter Zeit / des Vaterlandes Stütze: Die einig noch nicht bricht / nun Kirch und Hauß verfällt Den Ach und Noth nicht pocht. 0 unerschreckter Held An dem man einig siht wie steiff sich Tugend schütze:
Ihr / der uns lehrt was Kunst Hoch-Edlem Blutte nütze; Herr / dessen Lob / die itzt noch ungebor’ne Welt Wird rühmen / wenn wir Staub / Adel ich muß ins Feld Mein hart Verhängnüß rufft mich wider an die Spitze.
O Vater gute Nacht! der mich itzt von Euch reißt Vnd durch die wilde See in ferne Gräntzen, weißt Erhalte dise Hand die ich so traurig küsse.
Ich wündsche nicht nur mit. Sol unser Land vergehn So muß durch euren Rath / was ligt und sinckt auffstehn O! daß mein Land mit, mir Euch doch bald frölich grüsse!
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Interpretation
Das Gedicht "An den Hoch-Edlen Gestrengen..." von Andreas Gryphius ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Verteidigung des Vaterlandes in einer Zeit des Verfalls und der Not. Der Autor wendet sich an einen unerschrockenen Helden, der als "Nordstern" und "Stütze des Vaterlandes" bezeichnet wird und der durch sein standhaftes Festhalten an Tugend und Kunst ein Vorbild für andere ist. Gryphius betont die Bedeutung dieses Helden, dessen Lob sogar die noch ungeborene Welt preisen wird, wenn die Gegenwart zu Staub zerfallen ist. Im zweiten Teil des Gedichts drückt der Autor seine eigene Pflicht aus, in den Kampf zu ziehen, um das Vaterland zu verteidigen. Er erkennt an, dass sein Schicksal ihn erneut an die Spitze des Kampfes ruft, und verabschiedet sich mit schwerem Herzen von seinem Vater. Die Metapher der "wilden See" symbolisiert die gefährliche Reise in ferne Grenzen, während der Autor seine Hand küsst, die er mit Traurigkeit verlassen muss. Gryphius wünscht sich nicht nur, an der Verteidigung teilzunehmen, sondern betont die Notwendigkeit, dass das Land durch den Rat und die Tat des Helden wieder aufsteht. Im letzten Teil des Gedichts appelliert Gryphius an den Helden, durch seinen Rat und seine Tat das Land wieder aufzurichten, das liegt und sinkt. Er hofft inständig, dass sein Land bald fröhlich mit ihm den Helden begrüßen kann. Das Gedicht ist eine ergreifende Hommage an den Mut und die Entschlossenheit, die in Zeiten der Not erforderlich sind, um das Vaterland zu verteidigen und wieder aufzubauen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Ihr Nordstern letzter Zeit / des Vaterlandes Stütze
- Hyperbel
- Erhalte dise Hand die ich so traurig küsse
- Metapher
- Sol unser Land vergehn / So muß durch euren Rath / was ligt und sinckt auffstehn
- Personifikation
- Den Ach und Noth nicht pocht
- Symbolik
- Vater gute Nacht! der mich itzt von Euch reißt