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An den Grafen Platen (3)

Von

Daß ich′s aber nur gestehe,
Dieser Lieder heitre Weise,
Dieses schlichte Spiel der Leier
Ruft dich auf zum Wiederklange.
Sei′s daß in gewicht′gem Ernste
Du ein Dichterwort mir sagest,
Oder daß die Fröhlichkeit
Dieses Himmels dich beseele!

Zwar verschwieg′ne Zauberhüter
Stehn an deines Herzens Pforten,
Und nur wen′gen läßt du′s öffnen,
Wen′ge schauen in die Kammern,
Wo in flammendem Geblüte,
Schöpfrischer Natur geheiligt,
Sich des Goldes Lieblichkeit
Aus der Erde Schooß gerungen.

Doch beim duftigen Elysium
Des Gianicolo, den süßen
Veilchenauen vom Pamfili,
Bei des Pantheons Gewölbe,
Bei des Forums Tempel-Säulen,
Ja bei Roms Titanenbilde,
Wenn′s in holder Rosengluth
Unaussprechlich herrlich leuchtet,

Oder kann′s dich mehr bezaubern,
Bei Parthenopes Gestade,
Bei den Felsen von Sorrento,
Bei der Einsamkeit von Capri,
Bei dem Anblick all′ des Landes,
All′ des Meeres auf dem Gipfel
Des Vulkans beschwör′ ich dich,
Mir ein Gegenlied zu singen.

Gern verwehe dann das meine,
Ist′s ja doch nur leicht und munter,
Wie′s die Vögel in Hesperien
Auch an Wintermorgen singen.
Mit Entzücken aber will ich
Dann der Nachtigall verstummen,
Und im tiefsten Lorbeerhain
Ihren sel′gen Tönen lauschen.

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Gedicht: An den Grafen Platen (3) von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „An den Grafen Platen (3)“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine charmante, wenn auch etwas unterwürfige Aufforderung an den Grafen Platen, ebenfalls ein Dichter, sich an einem dichterischen Wettstreit zu beteiligen und die einfache, unbeschwerte Melodie des eigenen Gedichts mit einer tiefgründigeren, vielleicht sogar von der Schönheit Italiens inspirierten Dichtung zu beantworten. Es ist weniger eine direkte Konfrontation als vielmehr ein freundliches Angebot, die eigenen Fähigkeiten zu vergleichen und die literarische Landschaft zu bereichern.

Waiblinger beginnt mit einer gewissen Bescheidenheit, indem er die „heitre Weise“ und das „schlichte Spiel der Leier“ seiner eigenen Verse hervorhebt. Er bittet Platen um einen „Wiederklang“, sei es in Form eines gewichtigen, ernsten Wortes oder als Ausdruck der „Fröhlichkeit“ des Himmels. Diese einleitenden Verse setzen den Ton für ein Gespräch auf Augenhöhe, in dem beide Dichter ihren Stil zum Ausdruck bringen und sich gegenseitig inspirieren können. Die zweite Strophe deutet auf Platen als einen Dichter von tieferer Einsicht und verborgener Schönheit hin, ein „verschwieg’ner Zauberhüter“, der nur wenigen Zutritt zu den „Kammern“ seines kreativen Schaffens gewährt.

Die dritte und vierte Strophe sind von einer überschwänglichen Beschreibung der italienischen Landschaft geprägt. Waiblinger beschwört Platen bei den „duftigen Elysium“ des Gianicolo, den „Veilchenauen vom Pamfili“, dem Pantheon, dem Forum, ja selbst beim Anblick Roms, Capri, Sorrento und dem Vesuv, um mit ihm zu konkurrieren. Diese Aufzählung dient als dramatische Kulisse und als Beweis für die tiefe Verehrung Waiblingers gegenüber der Schönheit Italiens, die er als Inspiration für Platens Dichtung heranzieht. Er scheint anzunehmen, dass Platens Werke von einer solchen Umgebung beflügelt würden.

Die letzte Strophe drückt die Hoffnung Waiblingers aus, dass seine eigenen, leichten Verse dem Vergleich mit Platens überlegenem Werk standhalten. Er beschreibt seine Verse als „leicht und munter“, wie die Vögel, die im Winter singen. Sollte Platens Antwort jedoch überlegen sein, ist Waiblinger bereit, „mit Entzücken“ zu verstummen und der Nachtigall, die hier als Metapher für Platens poetische Fähigkeiten steht, in tiefstem Respekt zu lauschen. Damit stellt Waiblinger nicht nur seine eigenen dichterischen Fähigkeiten in den Schatten, sondern betont auch die Wertschätzung für das Talent des Grafen Platen und die Freude an guter, inspirierender Dichtung.

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.