An den Grafen Platen (3)

Wilhelm Friedrich Waiblinger

1804

Daß ich′s aber nur gestehe, Dieser Lieder heitre Weise, Dieses schlichte Spiel der Leier Ruft dich auf zum Wiederklange. Sei′s daß in gewicht′gem Ernste Du ein Dichterwort mir sagest, Oder daß die Fröhlichkeit Dieses Himmels dich beseele!

Zwar verschwieg′ne Zauberhüter Stehn an deines Herzens Pforten, Und nur wen′gen läßt du′s öffnen, Wen′ge schauen in die Kammern, Wo in flammendem Geblüte, Schöpfrischer Natur geheiligt, Sich des Goldes Lieblichkeit Aus der Erde Schooß gerungen.

Doch beim duftigen Elysium Des Gianicolo, den süßen Veilchenauen vom Pamfili, Bei des Pantheons Gewölbe, Bei des Forums Tempel-Säulen, Ja bei Roms Titanenbilde, Wenn′s in holder Rosengluth Unaussprechlich herrlich leuchtet,

Oder kann′s dich mehr bezaubern, Bei Parthenopes Gestade, Bei den Felsen von Sorrento, Bei der Einsamkeit von Capri, Bei dem Anblick all′ des Landes, All′ des Meeres auf dem Gipfel Des Vulkans beschwör′ ich dich, Mir ein Gegenlied zu singen.

Gern verwehe dann das meine, Ist′s ja doch nur leicht und munter, Wie′s die Vögel in Hesperien Auch an Wintermorgen singen. Mit Entzücken aber will ich Dann der Nachtigall verstummen, Und im tiefsten Lorbeerhain Ihren sel′gen Tönen lauschen.

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Illustration zu An den Grafen Platen (3)

Interpretation

Das Gedicht "An den Grafen Platen (3)" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist ein lyrisches Loblied auf den Dichterkollegen August Graf Platen. Der Sprecher bittet Platen, auf die heitere Weise seiner Lieder mit einem eigenen Gegenlied zu antworten. Dabei spielt es keine Rolle, ob Platen in ernstem Ton oder in fröhlicher Stimmung antwortet. Das Gedicht beschreibt Platen als einen verschlossenen Menschen, dessen Herz nur wenige Menschen sehen dürfen. In seinem Inneren verbirgt sich eine schöpferische Natur, die aus der Erde die "Lieblichkeit des Goldes" herausgerungen hat. Der Sprecher beschwört Platen an verschiedenen italienischen Schauplätzen, ihm ein Gegenlied zu singen. Dabei betont er die Schönheit und den Zauber dieser Orte. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass der Sprecher gerne sein eigenes Lied verwehen lässt, wenn Platen ihm stattdessen zuhört. Er vergleicht sich dabei mit den Vögeln in Hesperien, die auch im Winter munter singen. Der Sprecher will dann der Nachtigall verstummen und in tiefster Einsamkeit ihren seligen Tönen lauschen.

Schlüsselwörter

gen all singen gestehe lieder heitre weise schlichte

Wortwolke

Wortwolke zu An den Grafen Platen (3)

Stilmittel

Alliteration
Dieses schlichte Spiel der Leier
Anapher
Bei des Forums Tempel-Säulen, Ja bei Roms Titanenbilde
Apostrophe
Daß ich's aber nur gestehe
Hyperbel
Unaussprechlich herrlich leitet
Kontrast
Gern verwehe dann das meine
Metapher
Bei dem Anblick all' des Landes
Personifikation
Bei dem Anblick all' des Landes
Symbol
Bei Parthenopes Gestade
Vergleich
Wie's die Vögel in Hesperien