An den gecreutzigten Jesum
1637VI.
Hir wil ich gantz nicht weg! laß alle Schwerdter klingen! Greiff Spiß und Sebel an! brauch aller Waffen Macht Vnd Flamm’ / und was die Welt für unerträglich acht. Mich sol von disem Creutz kein Tod / kein Teufel dringen.
Hit wil ich / wenn mich Ach und Angst und Leid umbringen Wenn Erd’ und Meer auffreisst / ja wenn der Donner Macht Mit dunckel-rotem Blitz auff meinem Kopffe kracht / Ja wenn der Himmel fällt / hir wil ich frölich singen.
Weil mir die Brust noch klopfft / auch weder dort noch hir Und nun und ewig sol mich reissen nichts von dir. Hir wil ich / wenn ich soll / den matten Geist auffgeben.
Du aber / der du hoch am Holtz stehst auffgericht; Herr ]esu / neig herab dein bluttig Angesicht / Vnd heiß durch deinen Tod im Tod mich ewig leben!
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Interpretation
Das Gedicht "An den gecreutzigten Jesum" von Andreas Gryphius ist ein tief empfundenes Bekenntnis der Hingabe an Christus und seines Leidens. Der Sprecher drückt eine unerschütterliche Treue aus, die selbst den größten Bedrohungen und Leiden standhält. Die Verwendung von Bildern wie "Schwerdter", "Spiß", "Sebel" und "Flamm'" verdeutlicht die Intensität der äußeren Gefahren, denen der Sprecher sich ausgesetzt sieht, doch diese können ihn nicht von seinem Glauben an das Kreuz Christi trennen. Die Wiederholung von "Hir wil ich" betont die Entschlossenheit und den festen Willen, an Christi Seite zu bleiben, selbst wenn die Welt selbst zusammenbricht. In den folgenden Strophen intensiviert Gryphius die Schilderung der Prüfungen, denen der Sprecher standhalten will. Die Erwähnung von "Ach und Angst", dem Zerreißen von "Erd’ und Meer" und dem Einschlag des "dunckel-roten Blitz" am eigenen Haupt verdeutlichen die existenzielle Bedrohung. Doch selbst in solch apokalyptischen Szenarien bleibt der Sprecher standhaft und singt fröhlich, da sein Herz noch schlägt und seine Verbindung zu Christus unzerstörbar ist. Die Metapher des "matten Geist auffgeben" am Ende der Strophe unterstreicht die Bereitschaft, das Leben selbst für den Glauben hinzugeben. Im letzten Teil des Gedichts wendet sich der Sprecher direkt an Christus, der "hoch am Holtz stehst auffgericht". Die Bitte, dass Jesus sein "bluttig Angesicht" neige und durch seinen Tod ewiges Leben schenke, zeigt die tiefe Abhängigkeit und Hoffnung des Sprechers von der Erlösung durch Christus. Das Gedicht endet mit einer starken Aussage des Glaubens, dass durch Jesu Tod der Sprecher im Tod ewig leben wird, was die christliche Überzeugung von der Auferstehung und dem ewigen Leben widerspiegelt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Hir wil ich gantz nicht weg! laß alle Schwerdter klingen! / Greiff Spiß und Sebel an! brauch aller Waffen Macht / Vnd Flamm’ / und was die Welt für unerträglich acht.
- Apostrophe
- Du aber / der du hoch am Holtz stehst auffgericht; / Herr ]esu / neig herab dein bluttig Angesicht / Vnd heiß durch deinen Tod im Tod mich ewig leben!
- Hyperbel
- Wenn Erd’ und Meer auffreisst / ja wenn der Donner Macht / Mit dunckel-rotem Blitz auff meinem Kopffe kracht / Ja wenn der Himmel fällt
- Metapher
- Hir wil ich / wenn ich soll / den matten Geist auffgeben.