An den Frieden

Christian Friedrich Daniel Schubart

1787

Friedensgöttin, komm, ich flehe Dir mit hochgehobner Hand, Komm herab von deiner Himmelshöhe, Dich bedarf mein armes Vaterland.

Sieh im Maienmonde wollen Heere ziehen in das Feld. Wie sie schon die Augen blutig rollen, Zu verheeren eine ganze Welt.

Freude flieht vor Mavors Rufe, Der sich schlachtendurstig naht; Seiner kriegerischen Rosse Hufe Stampfen, knicken unsre Frühlingssaat.

Blumen sterben, wo die Sohle Eines erznen Kriegers geht; Traurig liegt das Röschen, die Viole, Jedes Blümchen auf zertretnem Beet.

O so komm, du Friede, nieder, Sänftige der Krieger Sinn. Tausend Deutsche, alle brav und bieder" Grüßen dich, du Himmels-Königin.

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Illustration zu An den Frieden

Interpretation

Das Gedicht "An den Frieden" von Christian Friedrich Daniel Schubart ist ein leidenschaftliches Plädoyer für den Frieden in einer Zeit des Krieges. Der Dichter fleht die Göttin des Friedens an, herabzusteigen und sein armes Vaterland zu retten, das von den Schrecken des Krieges bedroht wird. Er malt ein düsteres Bild von den herannahenden Heeren, die mit blutigen Augen in das Feld ziehen und die Welt verwüsten wollen. Der Dichter beschreibt, wie die Freude vor dem Ruf des Kriegsgottes Mars flieht und wie die Hufe der kriegerischen Pferde die Frühlingssaat zertrampeln. Die Blumen sterben, wo der eiserne Krieger seine Sohle hinsetzt, und die zarten Blüten liegen traurig auf den zertretenen Beeten. Dieses Bild symbolisiert die Zerstörung von Schönheit und Unschuld durch den Krieg. In einem letzten verzweifelten Aufruf bittet der Dichter den Frieden, herabzukommen und das Herz des Kriegers zu besänftigen. Er stellt sich tausende tapfere und biedere Deutsche vor, die den Frieden als Himmelskönigin begrüßen. Das Gedicht ist ein eindringlicher Appell für den Frieden und eine Mahnung, die Schönheit und Unschuld der Welt vor der Zerstörung durch den Krieg zu bewahren.

Schlüsselwörter

komm friedensgöttin flehe hochgehobner hand herab himmelshöhe bedarf

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Stilmittel

Alliteration
Traurig liegt das Röschen, die Viole
Anrede
O so komm, du Friede, nieder
Apostrophe
Friedensgöttin, komm, ich flehe Dir mit hochgehobner Hand
Bildsprache
Seiner kriegerischen Rosse Hufe Stampfen, knicken unsre Frühlingssaat
Personifikation
Freude flieht vor Mavors Rufe