An den Freiherrn von ***

Friedrich von Hagedorn

1734

Der, unverführt von Freuden und von Sorgen, Nie herzlich weinet oder lacht; Der, jede Nacht und jeden Morgen, Ohn′ alle Träume schläft; nur, wann er soll, erwacht; Der, gleich entfernt von Witz und Unverstande, Sich nicht versteigt, auch nicht versteigen kann: Trifft man in dem den größten Geist nicht an; So ist er doch vielleicht der Glücklichste im Lande.

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Interpretation

Das Gedicht "An den Freiherrn von ***" von Friedrich von Hagedorn beschreibt einen Menschen, der von Freuden und Sorgen unberührt bleibt und weder herzlich weint noch lacht. Dieser Mensch schläft jede Nacht und jeden Morgen ohne Träume, erwacht nur, wenn es notwendig ist. Er befindet sich auf einem Niveau, das weder von Witz noch von Unverstand geprägt ist, und kann sich nicht zu Höherem aufschwingen. In ihm findet man nicht den größten Geist, aber möglicherweise ist er der glücklichste Mensch im Lande. Hagedorn zeichnet das Bild eines Menschen, der ein gleichmäßiges und unaufgeregtes Leben führt. Dieser Mensch ist frei von den Höhen und Tiefen, die das Leben oft mit sich bringt. Er ist weder von übermäßiger Freude noch von tiefer Trauer betroffen. Sein Schlaf ist traumlos und er erwacht nur, wenn es erforderlich ist. Er befindet sich in einem Zustand der Ausgeglichenheit, der weder von intellektueller Brillanz noch von geistiger Beschränkung gekennzeichnet ist. Das Gedicht wirft die Frage auf, ob ein solches Leben, das frei von intensiven Emotionen und intellektuellen Höhenflügen ist, tatsächlich das glücklichste sein kann. Hagedorn deutet an, dass ein Leben ohne die Extreme von Freude und Trauer, ohne die Höhen und Tiefen des Geistes, zu einem Zustand des Glücks führen kann. Obwohl dieser Mensch nicht als der größte Geist beschrieben wird, könnte er dennoch der glücklichste im Lande sein. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Natur des Glücks und die Rolle von Emotionen und intellektueller Anregung im Leben an.

Schlüsselwörter

unverführt freuden sorgen nie herzlich weinet lacht jede

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Stilmittel

Anapher
Der, unverführt von Freuden und von Sorgen, Der, jede Nacht und jeden Morgen, Der, gleich entfernt von Witz und Unverstande,
Kontrast
Niemals herzlich weinet oder lacht
Parallelismus
Ohn′ alle Träume schläft; nur, wann er soll, erwacht
Rhetorische Frage
Trifft man in dem den größten Geist nicht an