An den Erzherzog Karl

Heinrich von Kleist

1811

Schauerlich ins Rad des Weltgeschickes Greifst du am Entscheidungstage ein, Und dein Volk lauscht, angsterfüllten Blickes, Welch ein Los ihm wird gefallen sein.

Aber leicht, o Herr, gleich deinem Leben Wage du das heilge Vaterland! Sein Panier wirf, wenn die Scharen beben, In der Feinde dichtsten Lanzenstand.

Nicht der Sieg ists, den der Deutsche fodert, Hülflos, wie er schon am Abgrund steht; Wenn der Kampf nur, fackelgleich, entlodert, Wert der Leiche, die zu Grabe geht.

Mag er dann in finstre Nacht auch sinken, Von dem Gipfel, halb bereits erklimmt; Herr! Die Träne wird noch Dank dir blinken, Wenn dein Schwert dafür nur Rache nimmt.

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Illustration zu An den Erzherzog Karl

Interpretation

Das Gedicht "An den Erzherzog Karl" von Heinrich von Kleist ist ein patriotisches Werk, das den Erzherzog Karl von Österreich zur Verteidigung des Vaterlandes aufruft. Der Sprecher betont die Schwere der Entscheidung, die Karl an diesem Tag treffen muss, und wie das Volk mit bangem Blick darauf wartet, welches Schicksal es ereilen wird. Der zweite Teil des Gedichts ermutigt Karl, leicht und mutig zu handeln, wie es seinem Leben entspricht. Er soll die Fahne des Vaterlandes in die Schlacht werfen, selbst wenn die eigenen Reihen beben und der Feind dicht mit Lanzen steht. Der Sieg ist nicht das Wichtigste für die Deutschen, sondern der Kampf selbst, der wie eine Fackel entzündet werden soll. Der Wert des Todes wird betont, solange er für das Vaterland geschieht. Im letzten Teil des Gedichts wird deutlich, dass selbst wenn der Kampf verloren geht und die Deutschen in die Nacht sinken, die Träne des Dankes noch auf Karls Schwert glänzen wird, wenn es Rache nimmt. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zur Verteidigung des Vaterlandes, selbst wenn es bedeutet, bis zum Tod zu kämpfen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
[Scharen beben Rache nimmt]
Anspielung
[An den Erzherzog Karl]
Bildsprache
[Sein Panier wirf, wenn die Scharen beben In der Feinde dichtsten Lanzenstand Von dem Gipfel, halb bereits erklimmt]
Hyperbel
[Hülflos, wie er schon am Abgrund steht]
Kontrast
[Mag er dann in finstre Nacht auch sinken Von dem Gipfel, halb bereits erklimmt]
Metapher
[Schauerlich ins Rad des Weltgeschickes Fackelgleich, entlodert]
Personifikation
[Welch ein Los ihm wird gefallen sein]