An den Erzherzog Karl (1)

Heinrich von Kleist

1777

Hättest du Türenne besiegt, Der, an dem Zügel der Einsicht, Leicht, den ehernen Wagen des Kriegs, Wie ein Mädchen ruhige Rosse, lenkte; Oder jenen Gustav der Schweden, Der, an dem Tage der Schlacht, Seraphische Streiter zu Hülfe rief; Oder den Suwarow, oder den Soltikow, Die, bei der Drommete Klang, Alle Dämme der Streitlust niedertraten, Und mit Bächen von Blut, Die granitene Bahn des Siegs sich sprengten: Siehe, die Jungfraun rief′ ich herbei des Landes, Daß sie zum Kranz den Lorbeer flöchten, Dir die Scheitel, o Herr, zu krönen!

Aber wen ruf ich (o Herz, was klopfst du?), Und wo blüht, an welchem Busen der Mutter So erlesen, wie sie aus Eden kam, Und wo duftet, auf welchem Gipfel, Unverwelklich, wie er Alciden kränzet, Jungfrau und Lorbeer, dich, o Karl, zu krönen, Überwinder des Unüberwindlichen!

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Illustration zu An den Erzherzog Karl (1)

Interpretation

Das Gedicht "An den Erzherzog Karl (1)" von Heinrich von Kleist ist eine Ode an den Erzherzog Karl von Österreich, der im Jahr 1796 eine militärische Niederlage gegen Napoleon erlitt. Das Gedicht beginnt mit einem Lob auf die großen Feldherren der Vergangenheit wie Türenne, Gustav Adolf, Suwarow und Soltikow, die den Krieg wie einen ehernen Wagen lenkten und mit Blut und Gewalt den Sieg errangen. Der Sprecher des Gedichts ruft die Jungfrauen des Landes, um einen Lorbeerkranz für den Erzherzog zu flechten, der zwar besiegt wurde, aber dennoch ein Held ist. Im zweiten Teil des Gedichts fragt sich der Sprecher, wo er eine solche Jungfrau finden kann, die so schön und duftend ist wie die im Paradies und die den Erzherzog krönen kann. Er fragt sich auch, wo ein Lorbeer wächst, der so unverwelklich ist wie der, der den Herkules krönte. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass der Erzherzog den Unüberwindlichen überwunden hat, was sich auf seine Tapferkeit und seinen Ruhm bezieht, auch wenn er militärisch verloren hat. Das Gedicht ist ein Beispiel für die Romantik, die das Heroische und das Tragische des Krieges feiert und den Helden als Idealfigur verehrt.

Schlüsselwörter

rief lorbeer krönen welchem hättest türenne besiegt zügel

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Siehe, die Jungfraun rief′ ich herbei des Landes
Apostrophe
Aber wen ruf ich (o Herz, was klopfst du?)
Hyperbel
Überwinder des Unüberwindlichen!
Metapher
Und mit Bächen von Blut, Die granitene Bahn des Siegs sich sprengten
Personifikation
Leicht, den ehernen Wagen des Kriegs, Wie ein Mädchen ruhige Rosse, lenkte