An den Äther
1859Allewiger und unbegrenzter Äther! Durchs Engste, wie durchs Weiteste Ergoßner! Von keinem Ring des Daseins Ausgeschloßner! Von jedem Hauch des Lebens still Durchwehter!
Des Unerforschten einziger Vertreter! Sein erster und sein würdigster Entsproßner! Von ihm allein in tiefster Ruh′ Umfloßner! Dir gegenüber werd auch ich ein Beter!
Mein schweifend Auge, das dich gern umspannte, Schließt sich vor dir in Ehrfurcht, eh′ es scheitert, Denn nichts ermißt der Blick als seine Schranken.
So auch mein Geist vor Gott, denn er erkannte, Daß er, umfaßt, sich nie so sehr erweitert, Den Allumfasser wieder zu umranken.
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Interpretation
Das Gedicht "An den Äther" von Friedrich Hebbel ist ein Loblied auf den Äther, eine hypothetische Substanz, die einst als Träger von Licht und elektromagnetischen Wellen galt. Hebbel preist den Äther als allumfassend und unbegrenzt, als etwas, das sowohl durch das Engste als auch durch das Weiteste strömt und von keinem Teil des Daseins ausgeschlossen ist. Der Äther wird als der einzige Vertreter des Unerforschten und als würdiger Nachkomme des Unbekannten dargestellt. In der zweiten Strophe wendet sich der Sprecher direkt an den Äther und erklärt, dass er vor ihm zu einem Betenden wird. Er erkennt die Unermesslichkeit des Äthers und zieht eine Parallele zu Gott. Der Sprecher vergleicht seinen Geist mit seinem Auge und sagt, dass beide vor der Unermesslichkeit des Äthers und Gottes in Ehrfurcht erstarren. Er erkennt, dass sein Blick nur seine eigenen Grenzen erkennen kann und dass sein Geist, selbst wenn er Gott umfasst, sich nie so sehr erweitert, dass er den Allumfasser wieder umfangen könnte. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass der Mensch, obwohl er nach Erkenntnis und Verständnis strebt, letztlich an seine Grenzen stößt. Der Sprecher akzeptiert, dass es Dinge gibt, die jenseits des menschlichen Verstehens liegen, und findet in dieser Erkenntnis eine Art von Frieden und Demut.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Des Unerforschten einziger Vertreter
- Anapher
- Allewiger und unbegrenzter Äther! Durchs Engste, wie durchs Weiteste Ergoßner! Von keinem Ring des Daseins Ausgeschloßner! Von jedem Hauch des Lebens still Durchwehter!
- Hyperbel
- Denn nichts ermißt der Blick als seine Schranken
- Metapher
- Von ihm allein in tiefster Ruh′ Umfloßner!
- Paradox
- Daß er, umfaßt, sich nie so sehr erweitert
- Personifikation
- Mein schweifend Auge, das dich gern umspannte
- Vergleich
- So auch mein Geist vor Gott