An den Abendstern
1815O Stern, der du vom fernen Osten her So einsam kommst, verlassen von den andern, Was ziehst du ruhelos im steten Wandern, Ein müder Pilger, über Land und Meer?
Dein Strahl hängt bebend auf der Wellenbucht Und zittert durch die trüben Nebel nieder, So wie durch thränenvolle Augenlider Ein Blick von dem, der stets vergebens sucht.
Am Abend grüßt mein Auge dich, wenn matt Der Fuß mir strauchelt von des Tages Mühe, Und dich, sobald die erste Dämmerfrühe Empor mich scheucht von meiner Lagerstatt.
Wie du bin ich; du dort am Himmelsrand, Auf Erden ich einsam und abgeschieden, O Stern der Wandrer, suchen wir den Frieden, Zwei müde Pilger über Meer und Land.
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Interpretation
Das Gedicht "An den Abendstern" von Adolf Friedrich Graf von Schack thematisiert die Einsamkeit und das Wandern als gemeinsame Erfahrung von Mensch und Natur. Der Sprecher wendet sich an den Abendstern, der einsam vom Osten kommt und ruhelos über Land und Meer zieht. Der Stern wird als müder Pilger beschrieben, der vergeblich sucht und dessen Strahl bebend und zitternd durch die Nacht dringt. Der Sprecher fühlt sich mit dem Stern verbunden, da auch er einsam und abgeschieden ist. Er grüßt den Stern am Abend, wenn er müde von der Arbeit ist, und am Morgen, wenn er von seiner Lagerstatt aufbricht. Der Stern wird zum Symbol für die Einsamkeit und das Suchen des Sprechers. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass der Sprecher und der Stern als "zwei müde Pilger" denselben Frieden suchen. Sie sind verbunden durch ihre Einsamkeit und ihr Wandern über Meer und Land. Der Stern am Himmelsrand und der Sprecher auf Erden sind vereint in ihrem Streben nach innerem Frieden und Ruhe.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Zwei müde Pilger über Meer und Land
- Gleichnis
- Wie du bin ich; du dort am Himmelsrand, / Auf Erden ich einsam und abgeschieden
- Metapher
- Ein müder Pilger, über Land und Meer
- Personifikation
- O Stern, der du vom fernen Osten her / So einsam kommst, verlassen von den andern
- Vergleich
- So wie durch thränenvolle Augenlider / Ein Blick von dem, der stets vergebens sucht