An Demoiselle Slevoigt

Friedrich von Schiller

1796

Zieh, holde Braut, mit unserm Segen, Zieh hin auf Hymens Blumenwegen! Wir sahen mit entzücktem Blick Der Seele Anmut sich entfalten, Die jungen Reize sich gestalten Und blühen für der Liebe Glück. Dein schönes Los, du hast′s gefunden; Es weicht die Freundschaft ohne Schmerz Dem süßen Gott, der dich gebunden; Er will, er hat dein ganzes Herz.

Zu teuren Pflichten, zarten Sorgen, Dem jungen Busen noch verborgen, Ruft dich des Kranzes ernste Zier. Der Kindheit tändelnde Gefühle, Der freien Jugend flücht′ge Spiele, Sie bleiben fliehend hinter dir. Und Hymens ernste Fessel bindet, Wo Amor leicht und flatternd hüpft Doch für ein Herz, das schön empfindet, Ist sie aus Blumen nur geknüpft.

Und willst du das Geheimnis wissen, Das immer grün und unzerrissen Den hochzeitlichen Kranz bewahrt? Es ist des Herzens reine Güte, Der Anmut unverwelkte Blüte, Die mit der holden Scham sich paart, Die, gleich dem heitern Sonnenbilde, In alle Herzen Wonne lacht, Es ist der sanfte Blick der Milde Und Würde, die sich selbst bewacht.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu An Demoiselle Slevoigt

Interpretation

Das Gedicht "An Demoiselle Slevoigt" von Friedrich von Schiller ist ein Loblied auf die Braut und ihre bevorstehende Hochzeit. Der Dichter preist die Schönheit und Anmut der Braut, die sich wie Blumen entfalten und für die Liebe bestimmt sind. Er wünscht ihr ein glückliches Los und eine harmonische Verbindung mit ihrem Bräutigam, der ihr ganzes Herz erobert hat. Das Gedicht beschreibt auch die Veränderungen, die die Hochzeit mit sich bringt: Die Braut wird von kindlichen Gefühlen und jugendlichen Spielen Abschied nehmen und sich neuen Pflichten und Sorgen stellen müssen. Doch diese Verpflichtungen sind nicht schwer, sondern leicht und angenehm, wie Blumenkränze. Das Gedicht offenbart auch das Geheimnis, wie man den Hochzeitskranz grün und unversehrt erhalten kann: Es ist die reine Güte des Herzens, die unverwelkte Blüte der Anmut und die Verbindung mit der Scham. Diese Tugenden sind wie ein heiteres Sonnenbild, das in alle Herzen Freude bringt. Sie sind auch der sanfte Blick der Milde und die Würde, die sich selbst bewahrt. Das Gedicht schließt mit einem Lobpreis auf diese Eigenschaften, die die Braut auszeichnen und ihr Glück sichern.

Schlüsselwörter

zieh hymens blick anmut jungen herz ernste holde

Wortwolke

Wortwolke zu An Demoiselle Slevoigt

Stilmittel

Alliteration
[Freundschaft ohne Schmerz Kindheit tändelnde Gefühle freien Jugend flücht′ge Spiele]
Hyperbel
[Es ist der sanfte Blick der Milde Und Würde, die sich selbst bewacht]
Metapher
[Zieh hin auf Hymens Blumenwegen! Der Kindheit tändelnde Gefühle, Der freien Jugend flücht′ge Spiele, Sie bleiben fliehend hinter dir. Und willst du das Geheimnis wissen, Das immer grün und unzerrissen Den hochzeitlichen Kranz bewahrt?]
Personifikation
[Der süße Gott, der dich gebunden Hymens ernste Fessel bindet Der Anmut unverwelkte Blüte Die, gleich dem heitern Sonnenbilde, In alle Herzen Wonne lacht]
Symbolik
[Hymen Kranz Blumen]