An das Ideal

Friedrich Nietzsche

1844

Wen liebt ich so wie dich, geliebter Schatten! Ich zog dich an mich, in mich - und seitdem ward ich beinah zum Schatten, du zum Leibe. Nur daß mein Auge unbelehrbar ist, gewöhnt, die Dinge außer sich zu sehen: Ihm bleibst du stets das ewge Außer-mir. Ach, dieses Auge bringt mich außer mich!

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Illustration zu An das Ideal

Interpretation

Das Gedicht "An das Ideal" von Friedrich Nietzsche handelt von der intensiven Beschäftigung des lyrischen Ichs mit einem Ideal oder einem Schatten, der als geliebtes Objekt bezeichnet wird. Das lyrische Ich zieht diesen Schatten zu sich heran und wird dadurch fast selbst zum Schatten, während der Schatten zum Körper wird. Es scheint, als ob das lyrische Ich durch die Beschäftigung mit dem Ideal seine eigene Identität verliert und sich selbst in den Hintergrund stellt. Das Gedicht verdeutlicht die Schwierigkeit, das Ideal wirklich zu erfassen und zu besitzen. Das Auge des lyrischen Ichs ist unbelehrbar und gewöhnt daran, die Dinge außerhalb von sich zu sehen. Dadurch bleibt das Ideal stets das ewige "Außer-mir" und kann nicht vollständig in das Selbst integriert werden. Das Auge des lyrischen Ichs bringt es selbst außer sich, was darauf hindeutet, dass die Beschäftigung mit dem Ideal zu einer Art Selbstverlust führt. Insgesamt zeigt das Gedicht die Ambivalenz der Beziehung des lyrischen Ichs zum Ideal auf. Einerseits wird das Ideal geliebt und angezogen, andererseits führt die Beschäftigung damit zu einer Art Selbstaufgabe. Das Gedicht verdeutlicht die Schwierigkeit, das Ideal wirklich zu erfassen und zu besitzen, und zeigt die Ambivalenz dieser Beziehung auf.

Schlüsselwörter

außer schatten auge liebt geliebter zog seitdem ward

Wortwolke

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Stilmittel

Antithese
du zum Leibe / Nur daß mein Auge unbelehrbar ist
Bildlichkeit
gewöhnt, die Dinge außer sich zu sehen
Metapher
du zum Leibe
Personifikation
Ich zog dich an mich, in mich - und seitdem ward ich beinah zum Schatten
Wiederholung
Außer-mir / außer mich