An das Herz
1783Laß legen sich die Ungeduld, Sei stille, Herz, nur stille! Dort oben waltet Vaters Huld, Der neige sich dein Wille.
Was schauest du so viel herum, Und hast so viele Worte? Bald wird doch Alles still und stumm An einer dunkeln Pforte.
Wir werden Alle stumm und still In unsre Gräber ziehen, Ob einer dort sich regen will, Vergebens ist sein Mühen.
Laß fahren, Herz, die Ungeduld, Zur Ruhe mußt du kommen, Und wirf dich in die Vaterhuld, Das einig bringt dir Frommen!
Und wenn wir dann so manches Jahr Im stillen Grabe lagen, Wird uns ein Morgen hell und klar Im fernen Aufgang tagen.
Da stillt sich Durst und Ungeduld In seinen rothen Gluten, Da will des ew′gen Vaters Huld In Strömen niederfluten.
Drum sei nur stille, Herz, sei still, Bald legen sich die Wellen; Der Alles hat und geben will, Wird deine Nacht erhellen.
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Interpretation
Das Gedicht "An das Herz" von Max von Schenkendorf ist ein tiefgründiges und nachdenkliches Werk, das sich mit den Themen Ungeduld, Sterblichkeit und Hoffnung auseinandersetzt. Der Dichter richtet sich direkt an sein Herz und ermahnt es, geduldig zu sein und sich der göttlichen Vorsehung anzuvertrauen. Er erinnert daran, dass das Leben vergänglich ist und dass am Ende alle Menschen still und stumm in ihre Gräber sinken werden. Doch trotz dieser düsteren Aussicht vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Hoffnung und des Trostes. Der Dichter fordert das Herz auf, sich der "Vaterhuld" anzuvertrauen und sich auf das ewige Leben nach dem Tod zu freuen. Er verspricht, dass nach vielen Jahren im stillen Grabe ein heller und klarer Morgen im fernen Aufgang anbrechen wird. An diesem Tag wird die Ungeduld und der Durst nach Leben gestillt sein, und die göttliche Vorsehung wird in Strömen niederfluten. Diese Vision vom ewigen Leben gibt dem Gedicht eine optimistische und tröstliche Note, die den Leser ermutigt, geduldig zu sein und sich auf die Zukunft zu freuen. Insgesamt ist "An das Herz" ein bewegendes Gedicht, das den Leser dazu anregt, über die Vergänglichkeit des Lebens und die Hoffnung auf ein ewiges Leben nachzudenken. Der Dichter vermittelt eine tiefgründige Botschaft der Geduld, des Vertrauens und der Hoffnung, die den Leser ermutigt, sich auf die göttliche Vorsehung zu verlassen und sich auf die Zukunft zu freuen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Laß legen sich die Ungeduld, / Sei stille, Herz, nur stille!
- Metapher
- Der Alles hat und geben will
- Personifikation
- Laß fahren, Herz, die Ungeduld