An Damis Geburtstage (1)
1895Dir, bester Inhalt meiner Lieder, Dir tönt dieß Lied der Lieb und Lust, Dein Tag, der schöne Tag kömmt wieder, Und Freude klopft in meiner Brust. Sie klopft; das Herz fühlt mit Entzücken Dein Wohl, die Kraft sich zu beglücken.
Es sey, daß mir die Worte fehlen, Spricht doch mein Blut, von Lieb erregt; Dieß kann Empfindungen erzählen, Und nennt den Trieb, der es bewegt. Der Liebe Macht, ein Herz zu zwingen, Läßt sich empfinden, nicht besingen.
Ein immerwährendes Getümmel Von treuen Trieben zeichnet mich. Die Seufzer eilen nach dem Himmel, Und bitten da den Lohn für Dich. Den Lohn, ein lang und frohes Leben, Kann Dir allein der Himmel geben.
O brauche Deine frohen Stunden, Erkenne Deine goldne Zeit. Gott schickt sie Dir. Wann sie verschwunden, Ist sie ein Raub der Ewigkeit. Dein Lohn, genoßne Augenblicke, Beglückten Dich und sind mein Glücke.
Was sind der Weisheit strenge Lehren Dem, den die frohen Freuden fliehn? Willst Du Dir die Natur verwehren, Die Dir Herz und Gefühl verliehn? Willst Du nur Geist seyn? Feind der Triebe? O werde wieder Mensch, und liebe.
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Interpretation
Das Gedicht "An Damis Geburtstage (1)" von Johanna Charlotte Unzer ist ein Loblied auf Damis Geburtstag, das die tiefe Zuneigung und Freude des lyrischen Ichs zum Ausdruck bringt. Das Gedicht beginnt mit einer Anrede an Damis, bei der das lyrische Ich seine Liebe und Lust zum Ausdruck bringt. Der Geburtstag wird als ein schöner Tag gefeiert, der Freude und Entzücken hervorruft. Die Emotionen sind so stark, dass sie kaum in Worte gefasst werden können, sondern eher durch das Blut und die Empfindungen ausgedrückt werden. Im zweiten Teil des Gedichts reflektiert das lyrische Ich über die Macht der Liebe, die das Herz bewegt und nicht vollständig in Worte gefasst werden kann. Es beschreibt ein ständiges Aufruhr von treuen Trieben, die es leiten, und seufzt zum Himmel, um für Damis einen langen und frohen Lebensweg zu erbitten. Der Himmel allein kann diesen Lohn gewähren, was die göttliche Natur des Glücks und der Freude unterstreicht. Im letzten Teil des Gedichts ermutigt das lyrische Ich Damis, seine glücklichen Stunden zu nutzen und seine goldene Zeit zu erkennen. Es betont, dass diese Zeit von Gott geschickt wird und dass sie, sobald sie vorüber ist, der Ewigkeit verloren geht. Das lyrische Ich schließt mit einer philosophischen Betrachtung über die Bedeutung von Lebensfreude im Gegensatz zu strengen Weisheitslehren. Es plädiert dafür, die Natur und die empfangenen Gefühle zu umarmen, anstatt sich nur auf den Geist zu konzentrieren. Das Gedicht endet mit dem Aufruf, wieder Mensch zu werden und zu lieben, was die zentrale Botschaft des Lobes auf das menschliche Leben und die Liebe zusammenfasst.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Was sind der Weisheit strenge Lehren
- Personifikation
- Die Seufzer eilen nach dem Himmel