An Dahlmann

Robert Eduard Prutz

1816

In diesem Kreise trauter Zecher, Bei diesem bangen Abschiedsfest, Ein letzter Gruß, ein letzter Becher Dem Manne, der uns heut verläßt: Dem heut nach mancher stummen Klage, Nach mancher kummervollen Nacht, Dem heut nach manchem trüben Tage Die Sonne der Erfüllung lacht!

Ein Abschiedsfest - und dennoch kränze Die Hoffnung dieses letzte Mahl! Ein Abschiedsfest - und doch kredenze Die Freude lächelnd den Pokal! Denn den mit Schmerzen wir verlieren, Den heut die Götter uns entziehn, Ihn nennt die Welt aufs neu den ihren, Und die Geschichte fordert ihn.

Du gehst, o Freund, aus unsrer Mitte, Du, von dem Schicksal selbst geweiht, Mit männlichem, mit tapferm Schritte, Du gehst aufs Schlachtfeld unsrer Zeit. Du weißt es selbst: die Welt will Fehde, Des Friedens Ölblatt ist verdorrt - Wohlan, auch du mit freier Rede, O kämpf auch du mit freiem Wort!

Geh hin, o Freund - bei deinem Namen, Wie werden alle Herzen weit! Geh hin, o Freund, und streu den Samen, Den köstlichen, der künft′gen Zeit! Sei ein Pilot im Sturm der Wogen, Ein Blitz, der durch die Wolken bricht, Sei du ein Stern am Himmelsbogen, Ja sei du selbst! mehr braucht es nicht. -

Dem alle Herzen ängstlich schlagen, Den die Orakel prophezein, Er muß ja doch, er muß ja tagen, Der Tag der Zukunft bricht herein! Der Hort der Freiheit wird gehoben, Der Turm des Rechtes soll bestehn, Und über alle, hoch von oben, Das Banner des Gesetzes wehn!

So laßt uns froh die Gläser leeren, Und drückt noch einmal ihm die Hand: Es gilt dem Manne, den wir ehren, Es gilt dem deutschen Vaterland! Es gilt dem kommenden Geschlechte, Es gilt dem künft′gen Morgenrot, Der Freiheit gilt es und dem Rechte, Es gilt dem Leben und dem Tod!

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Illustration zu An Dahlmann

Interpretation

Das Gedicht "An Dahlmann" von Robert Eduard Prutz ist ein Abschiedsgedicht, das einem Freund namens Dahlmann gewidmet ist, der die Gruppe verlässt. Der Dichter beschreibt die Atmosphäre eines Abschiedsfestes, bei dem ein letzter Gruß und ein letzter Becher dem Mann gewidmet sind, der die Gruppe verlässt. Trotz des Abschieds ist die Stimmung hoffnungsvoll, da die Sonne der Erfüllung auf Dahlmann scheint. Prutz betont, dass Dahlmann zwar mit Schmerzen verloren geht, aber von der Welt neu als ihr Eigentum betrachtet wird und von der Geschichte gefordert wird. Dahlmann wird als jemand beschrieben, der von Schicksal selbst geweiht ist und mit männlichem, tapferem Schritt auf das Schlachtfeld der Zeit geht. Der Dichter ermutigt Dahlmann, mit freier Rede und freiem Wort zu kämpfen, da die Welt Fehde will und der Friede verdorrt ist. Das Gedicht endet mit einem Aufruf, die Gläser zu leeren und Dahlmann noch einmal die Hand zu drücken. Der Dichter betont, dass dieser Akt dem Mann, dem deutschen Vaterland, den kommenden Generationen, dem künftigen Morgenrot, der Freiheit, dem Recht, dem Leben und dem Tod gilt. Es ist ein kraftvolles und patriotisches Gedicht, das die Bedeutung von Dahlmanns Abreise und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft unterstreicht.

Schlüsselwörter

gilt heut abschiedsfest freund selbst alle letzter manne

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Stilmittel

Alliteration
Schmerzen wir verlieren
Anapher
Geh hin, o Freund
Hyperbel
Sei ein Pilot im Sturm der Wogen
Kontrast
Ein Abschiedsfest - und dennoch kränze Die Hoffnung dieses letzte Mahl!
Metapher
Sei du ein Stern am Himmelsbogen
Personifikation
Die Freude lächelnd den Pokal
Symbolik
Das Banner des Gesetzes wehn