An Cleandrum
1650XL.
Du fragst / wie Bibulus die Zeit zu Rom vertreibe? Er sucht kein’ alte Schrifft / noch Bild / noch Buch / wie du Er kümmert sich nicht vil / was man zu Hofe thu / Er fragt nicht / ob der Bapst Bann oder Ablaß schreibe:
Er acht kein Vatican / da ich voll Wunder bleibe? Er spricht Gesandten nicht / nicht Cardinälen zu: Er gönn’t Gelehrten wol die hoch-gewündschte Ruh / Du weißt / daß er sich nicht an Ketzermeister reibe.
Von Kirchen hält er nichts; von Gärten nicht zu vil Er lacht wenn ich die Grufft der Märtrer suchen wil Gutt ists / daß er sich nicht auff liben hat verlibet.
Kein Schauplatz steht ihm an. Kein singen geht ihm ein. Er schläff’t wenn man dem Volck’ ein künstlich Feur-Werck gibet: Was hält ihn denn zu Rom lang auff ? Albaner Wein.
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Interpretation
Das Gedicht "An Cleandrum" von Andreas Gryphius beschreibt den Lebensstil und die Vorlieben eines Mannes namens Bibulus, der sich in Rom aufhält. Im Gegensatz zu vielen anderen, die sich für die kulturellen und religiösen Sehenswürdigkeiten Roms interessieren, zeigt Bibulus wenig Interesse an alten Schriften, Büchern, dem Vatikan oder den Gesprächen mit Gesandten und Kardinälen. Er hält sich fern von den üblichen Aktivitäten und Beschäftigungen, die Rom zu bieten hat, wie etwa den Besuch von Kirchen, Gärten, Märtyrergräbern, Schauspielen oder dem Zuschauen von Feuerspektakeln. Gryphius stellt Bibulus als jemanden dar, der sich von den üblichen Beschäftigungen und Interessen der Menschen in Rom abhebt. Er ist nicht an den theologischen Debatten oder den kulturellen Veranstaltungen interessiert, die in der Stadt stattfinden. Stattdessen scheint Bibulus einen eher zurückgezogenen und einfachen Lebensstil zu führen, der sich auf das Wesentliche konzentriert und die Ablenkungen der Stadt ignoriert. Die Interpretation des Gedichts legt nahe, dass Bibulus' Hauptinteresse und -motivation in Rom der Genuss des albanischen Weins ist. Dies wird als der einzige Grund angesehen, warum er sich in der Stadt aufhält. Gryphius verwendet diese Darstellung, um einen Kontrast zwischen den üblichen Erwartungen an einen Besucher in Rom und der unkonventionellen Haltung Bibulus' zu schaffen. Das Gedicht kann als eine Kritik an der Oberflächlichkeit und dem Streben nach Vergnügen in der Gesellschaft verstanden werden, wobei Bibulus als Beispiel für jemanden dient, der sich von diesen Normen abwendet und stattdessen einfache Freuden sucht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anekdotische Erzählung
- Er schläff’t wenn man dem Volck’ ein künstlich Feur-Werck gibet
- Auflösung
- Was hält ihn denn zu Rom lang auff ? Albaner Wein
- Enjambement
- Er kümmert sich nicht vil / was man zu Hofe thu / Er fragt nicht / ob der Bapst Bann oder Ablaß schreibe
- Ironie
- Er lacht wenn ich die Grufft der Märtrer suchen wil
- Metapher
- Du weißt / daß er sich nicht an Ketzermeister reibe
- Nennung
- Kein Schauplatz steht ihm an. Kein singen geht ihm ein
- Rhetorische Frage
- Er acht kein Vatican / da ich voll Wunder bleibe?