An Clara
1841Da dein Bruder Das Ruder Des Hauswesens fuehrt Und kein Narr ist, Sondern Pfarr’ ist, Der ganz Sulzbach regiert, Der zwar, genoetigt, Auf Predigt Und manches verzicht’t, Auch im Kranze Keine Lanze Fuer Steudel mehr bricht; Da man ihn ferner Trotz Justin Kerner Als Dichter begruesst, Und, obgleich Dichter, Er doch die Lichter Fuer die Haushaltung giesst; Da er dir endlich Unendlich Viel Gutes erweist, Wie er noch gestern Seine Schwestern Mit Zimtstern gespeist: So sollt ich schliessen Aus allem diesen - Doch ists gescheiter, Ich sag nicht weiter Und mach’ ohne Zirkel Einen schoenen .
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Interpretation
Das Gedicht "An Clara" von Eduard Mörike ist ein spielerisches und liebevolles Loblied auf Claras Bruder, der als verantwortungsbewusster Pfarrer das Hauswesen führt. Mörike zeichnet ein Bild eines Mannes, der trotz seiner poetischen Begabung und Anerkennung als Dichter seine Pflichten ernst nimmt und für das Wohl seiner Familie sorgt. Er verzichtet auf bestimmte Freuden, wie das Predigen und das Brechen von Lanzen für Steudel, und kümmert sich stattdessen um die praktischen Angelegenheiten des Haushalts, wie das Gießen der Lichter. Der Dichter betont die vielfältigen positiven Eigenschaften des Bruders, der nicht nur ein guter Verwalter ist, sondern auch ein fürsorglicher Bruder. Er verwöhnt seine Schwestern mit Zimtsternen, was seine Zuneigung und Fürsorge zeigt. Mörike deutet an, dass all diese Eigenschaften und Handlungen des Bruders ein klares Bild von seinem Charakter und seiner Bedeutung für die Familie zeichnen. Am Ende des Gedichts deutet Mörike an, dass er aus all diesen Beobachtungen eine Schlussfolgerung ziehen könnte, entscheidet sich aber, diese nicht auszusprechen. Stattdessen kündigt er an, ohne Zirkel einen schönen Kreis zu machen, was als Metapher für seine unausgesprochene Bewunderung und Zuneigung zu Clara und ihrem Bruder interpretiert werden kann. Das Gedicht endet mit einem Augenzwinkern und lässt den Leser die unausgesprochene Schlussfolgerung selbst erraten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Das Ruder des Hauswesens fuehrt
- Bildsprache
- Mit Zimtstern gespeist
- Hyperbel
- Unendlich viel Gutes erweist
- Ironie
- So sollt ich schliessen aus allem diesen - Doch ists gescheiter, ich sag nicht weiter
- Metapher
- Das Ruder des Hauswesens
- Personifikation
- Der ganz Sulzbach regiert