An Clärchen

Eduard Mörike

1841

Die Freundin immer neu zu schmücken,Ich seh es wohl, ist deine Lust;Darfst du ins Haar den Kranz ihr drücken,Des eignen bist du kaum bewußt.Und deinen Augen zu gefallenErlaubt sie gern das müßge Spiel.Ach täglich mehr gefällt sie allen,Die allen schon zu sehr gefiel!Du machst sie, wie dir’s auch gelungen,Kaum lieblicher als je sie war,Doch jede dieser NeuerungenBringt neue Sorge und Gefahr.Heut ringeltest du KinderlockenWie schön um Hals und Nacken ihr!Ein Mädchen sieht das unerschrocken,Allein bedenk, bedenke, wir!Zwar muß vom Reiz ein Dichter leben,Er heischt zurück was du versteckt,Ihm bleibt der Pfeil ins Herz gegebenDes Schönen, das ihn ewig neckt;Nur höre auf, der Welt zu zeigenDen Schatz, den sie uns schon mißgönnt!Wer gern ein Kleinod hat zu eigen,Es ist genug, daß er es kennt.

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Illustration zu An Clärchen

Interpretation

Das Gedicht "An Clärchen" von Eduard Mörike thematisiert die Beziehung zwischen einem Liebhaber und seiner Geliebten, die er ständig neu schmückt. Der Liebhaber scheint seine Freude daran zu haben, Clärchen zu verschönern, ohne sich dessen bewusst zu sein, dass er dadurch möglicherweise ihre natürliche Schönheit überdeckt. Clärchen lässt diese Schmückungen zu, um den Augen ihres Liebhabers zu gefallen, doch dabei wird sie auch für andere immer attraktiver, was wiederum neue Sorgen und Gefahren mit sich bringt. In den folgenden Versen beschreibt Mörike, wie der Liebhaber Clärchen mit Kinderlocken schmückt, die schön um ihren Hals und Nacken ringeln. Während ein junges Mädchen dies unerschrocken betrachtet, warnt der Dichter den Liebhaber, die Konsequenzen zu bedenken. Denn Dichter, die vom Reiz leben, fordern zurück, was versteckt wurde, und bleiben von der Schönheit, die sie ewig neckt, geprägt. Der Dichter appelliert an den Liebhaber, aufzuhören, der Welt den Schatz zu zeigen, den sie ihnen bereits missgönnt, und betont, dass es genügt, wenn der Liebhaber selbst das Kleinod kennt. Abschließend verdeutlicht Mörike die Ambivalenz der Situation: Einerseits will der Liebhaber Clärchen verschönern, andererseits birgt dies die Gefahr, dass ihre natürliche Schönheit verloren geht und sie für andere noch attraktiver wird. Der Dichter fordert den Liebhaber auf, die Schönheit seiner Geliebten nicht mehr zur Schau zu stellen, sondern sie nur für sich selbst zu bewahren.

Schlüsselwörter

kaum gern allen freundin neu schmücken seh lust

Wortwolke

Wortwolke zu An Clärchen

Stilmittel

Anapher
Du machst sie, wie dir’s auch gelungen, Kaum lieblicher als je sie war
Bildsprache
Des eignen bist du kaum bewußt
Hyperbel
Ach täglich mehr gefällt sie allen, Die allen schon zu sehr gefiel
Metapher
Des Schönen, das ihn ewig neckt
Personifikation
Des eignen bist du kaum bewußt
Reimschema
AABB
Symbolik
Wer gern ein Kleinod hat zu eigen, Es ist genug, daß er es kennt