An Christine Engehausen

Friedrich Hebbel

1813

Du tränkst des Dichters dämmernde Gestalten, Die ängstlich zwischen Sein und Nichtsein schweben, Mit deinem Blut, und gibst den Schatten Leben, In denen ungeborne Seelen walten.

Ich aber möchte nicht zu früh erkalten, Der Zeit die Form zu dem Gehalt zu geben Und über sich hinaus sie zu erheben Durch neuer Schönheit schüchternes Entfalten.

Doch dieses Deutschland wird uns schwer erwarmen, Und eh′ wir′s denken, stehn wir ab, verdrossen, Drum laß uns eins das andere belohnen.

Wo treu und fest sich Mann und Weib umarmen, Da ist ein Kreis, da ist der Kreis geschlossen, In dem die höchsten Menschenfreuden wohnen.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu An Christine Engehausen

Interpretation

Das Gedicht "An Christine Engehausen" von Friedrich Hebbel thematisiert die kreative Inspiration und die Verbindung zwischen Dichter und Muse. Im ersten Teil preist der Dichter die Fähigkeit der Muse, den Dichter in seinen schöpferischen Prozessen zu unterstützen und den schwebenden, unsicheren Gestalten Leben und Substanz zu geben. Die Muse wird als Quelle der Inspiration und des Lebens für die noch ungeborenen Seelen dargestellt. Im zweiten Teil reflektiert der Dichter über seine eigene Rolle und die Herausforderungen, denen er gegenübersteht. Er möchte nicht zu früh erkalten, also nicht den Mut und die Leidenschaft für seine Kunst verlieren. Er strebt danach, der Zeit eine Form zu geben und sie durch die Entfaltung neuer Schönheit zu erheben. Doch er erkennt auch die Schwierigkeit, in Deutschland die nötige Wärme und Unterstützung für seine kreativen Bestrebungen zu finden. Im letzten Teil des Gedichts schlägt der Dichter vor, dass er und seine Muse einander belohnen und unterstützen sollen, da sie in Deutschland möglicherweise auf Schwierigkeiten stoßen werden. Er betont die Bedeutung der treuen und festen Umarmung zwischen Mann und Frau, da dies einen geschlossenen Kreis schafft, in dem die höchsten menschlichen Freuden wohnen. Das Gedicht endet mit der Idee, dass die Verbindung zwischen Dichter und Muse eine Quelle der Inspiration und des Trostes in einer möglicherweise herausfordernden Umgebung sein kann.

Schlüsselwörter

kreis tränkst dichters dämmernde gestalten ängstlich zwischen nichtsein

Wortwolke

Wortwolke zu An Christine Engehausen

Stilmittel

Metapher
In dem die höchsten Menschenfreuden wohnen
Personifikation
Die ängstlich zwischen Sein und Nichtsein schweben