An Celsus, einen jungen anacreontischen Dichter

Friedrich von Hagedorn

1708

Erheb′ und zeige dich dem deutschen Vaterlande! Doch, sollen jetzt noch Kuß und Wein Der Inhalt deiner Töne sein, So singe beider Lob nicht zu der Sitten Schande! Wie dir Anacreon gefällt, So heiße stets der klugen Welt Ein Weiser, wie er hieß, in jeglichem Verstande! Auch folg′ einst einem Rath, der weder eilt noch irrt, Sei nicht der Grille gleich, die bis zum Tode schwirrt!

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Interpretation

Das Gedicht "An Celsus, einen jungen anacreontischen Dichter" von Friedrich von Hagedorn richtet sich an einen jungen Dichter namens Celsus, der sich in der Tradition des antiken Dichters Anacreon bewegt. Hagedorn fordert Celsus auf, sich zu erheben und dem deutschen Vaterland zu zeigen, was er kann. Allerdings warnt er ihn davor, sich ausschließlich auf die Themen Kuss und Wein zu konzentrieren, da dies den Sitten zuwiderlaufen würde. Hagedorn ermutigt Celsus, sich von Anacreon inspirieren zu lassen, aber nicht blindlings zu folgen. Er soll sich als Weiser in jeglichem Verstande zeigen, der die kluge Welt beeindruckt. Der Dichter mahnt Celsus, einem Rat zu folgen, der weder eilt noch irrt, und sich nicht wie eine Grille zu verhalten, die bis zum Tode schwirrt. Damit verweist Hagedorn auf die Bedeutung von Beständigkeit und Kontinuität in der Dichtung. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Botschaft, dass ein junger Dichter zwar von den Alten lernen kann, aber auch seinen eigenen Weg finden und sich von den Konventionen lösen muss. Hagedorn ermutigt Celsus dazu, sich zu erheben und dem deutschen Vaterland zu zeigen, was er kann, aber auch darauf zu achten, dass seine Dichtung den Sitten entspricht und nicht nur auf oberflächliche Themen wie Kuss und Wein beschränkt ist.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Apostrophe
Erheb′ und zeige dich dem deutschen Vaterlande!
Hyperbel
Der Inhalt deiner Töne sein
Imperativ
Erheb′ und zeige dich dem deutschen Vaterlande!
Kontrast
Doch, sollen jetzt noch Kuß und Wein / Der Inhalt deiner Töne sein
Personifikation
sei nicht der Grille gleich, die bis zum Tode schwirrt!
Vergleich
Sei nicht der Grille gleich, die bis zum Tode schwirrt!