An Callirhoen
1657XLI.
Wie kompts Callirhoe? was mag die Vrsach seyn / Daß du mich gestern hast so traurig angeblicket: Wie daß du alle Lust und Freundligkeit verschicket? War meine Gegenwart ein Vrsprung neuer Pein?
Verdroß dich Flacci Kuß? fürwar ich meyne nein / Hat dich der süße Schlaff verzaubert und umbstricket! Hat dich der grimme Schmertz die Libes-Pest gedrücket? Mißfil dir / was ich sprach? mir fällt die Vrsach ein:
Da als dein Schlaff-Gemach ward von uns eingenommen; Da / sind wir wehrte Nymph, dir vil zu nahe kommen. Woll / folge meinem Rath wo du dich rächen wilt.
Wenn sich die schwartze Nacht wird für dem Monden schämen: Magst du / mein Schlaf-Gemach / ja selbst mein Bett’ einehmen. Die Rach’ ist mehr denn recht die gleich mit gleich vergilt.
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Interpretation
Das Gedicht "An Callirhoen" von Andreas Gryphius ist ein Liebesgedicht, das die Sehnsucht und die Unsicherheit des lyrischen Ichs ausdrückt. Es beginnt mit der Frage nach dem Grund für Callirhoens traurigen Blick am Vortag. Das lyrische Ich fragt sich, ob es durch seine Anwesenheit neue Schmerzen verursacht hat oder ob andere Gründe, wie Flaccis Kuss oder ein süßer Schlaf, der Callirhoen verzaubert hat, dafür verantwortlich sind. Es scheint, als ob das lyrische Ich nach einer Erklärung für Callirhoens Verhalten sucht. Im zweiten Teil des Gedichts kommt das lyrische Ich zu einer Erkenntnis. Es erinnert sich daran, dass es und andere in Callirhoens Schlafgemach eingedrungen sind und ihr zu nahe gekommen sind. Das lyrische Ich schlägt Callirhoen vor, sich zu rächen, indem sie selbst in sein Schlafgemach oder sogar sein Bett eindringt. Es betont, dass eine solche Rache gerecht und angemessen wäre, da sie das Gleiche mit Gleichem vergelten würde. Das Gedicht zeigt die komplexen Gefühle und die Unsicherheit in einer Liebesbeziehung. Es verdeutlicht die Sehnsucht nach Nähe und die Angst vor Zurückweisung. Das lyrische Ich versucht, die Situation zu verstehen und schlägt eine Lösung vor, um die Distanz zwischen sich und Callirhoen zu überbrücken. Es ist ein Gedicht, das die emotionale Intensität und die Verletzlichkeit in der Liebe zum Ausdruck bringt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- schwartze Nacht wird für dem Monden schämen
- Chiasmus
- Die Rach’ ist mehr denn recht die gleich mit gleich vergilt.
- Frage
- Wie kompts Callirhoe? was mag die Vrsach seyn / Daß du mich gestern hast so traurig angeblicket: / Wie daß du alle Lust und Freundligkeit verschicket? / War meine Gegenwart ein Vrsprung neuer Pein?
- Metapher
- Hat dich der süße Schlaff verzaubert und umbstricket!
- Personifikation
- Wenn sich die schwartze Nacht wird für dem Monden schämen:
- Rhetorische Frage
- Verdroß dich Flacci Kuß? fürwar ich meyne nein / Hat dich der süße Schlaff verzaubert und umbstricket! / Hat dich der grimme Schmertz die Libes-Pest gedrücket? / Mißfil dir / was ich sprach? mir fällt die Vrsach ein: