An Bürger

August Wilhelm von Schlegel

1767

Süßer Sänger, willst du mir vertrauen, Wo sie wohnt, die dein Gesang erhebt? Wo sie wandelt, wo ihr Odem webt, Muß Gedeihn und Lust die Flur bethauen.

Wie? du winkst mir, da hinauf zu schauen, Wo der Feiertanz der Sterne schwebt? Die im Liede lieblich blüht und lebt, Weilt sie schon auf Paradieses-Auen?

Sänger, deine Müh wird doch belohnt. Einsam klagst du nicht am Grabeshügel, Jedem Laute gabst du Seraphsflügel.

Wo bei Laura deine Molly wohnt, Hören beide, zart, wie Tauben girren, Durch die Amaranthenlaub′ ihn irren.

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Interpretation

Das Gedicht "An Bürger" von August Wilhelm von Schlegel ist eine Hommage an den Dichter Johann Gottfried Herder, der als "Süßer Sänger" bezeichnet wird. Der Sprecher fragt den Sänger, wo die Muse wohnt, die seinen Gesang erhebt. Er vermutet, dass die Muse auf paradiesischen Auen weilt und dass der Sänger durch seinen Gesang einen Weg zu ihr gefunden hat. Der Sprecher lobt die Mühe des Sängers und vergleicht ihn mit Petrarca, der seine Laura besang. Er stellt sich vor, dass sowohl Laura als auch Molly, die vermutlich die Muse des Sängers ist, seinen Gesang hören und ihn wie eine Taube durch das Laub irren lassen. Das Gedicht ist eine Liebeserklärung an die Poesie und die Muse, die den Dichter inspiriert.

Schlüsselwörter

sänger wohnt süßer willst vertrauen gesang erhebt wandelt

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Stilmittel

Alliteration
Einsam klagst du nicht am Grabeshügel
Bildsprache
Durch die Amaranthenlaub′ ihn irren
Frage
Wie? du winkst mir, da hinauf zu schauen
Metapher
Jedem Laute gabst du Seraphsflügel
Personifikation
Wo sie wandelt, wo ihr Odem webt, Muß Gedeihn und Lust die Flur bethauen
Vergleich
Zart, wie Tauben girren