An Belinden

Johann Wolfgang von Goethe

1749

Warum ziehst du mich unwiderstehlich Ach, in jene Pracht? War ich guter Junge nicht so selig In der öden Nacht?

Heimlich in mein Zimmerchen verschlossen, Lag im Mondenschein, Ganz von seinem Schauerlicht umflossen, Und ich dämmert′ ein;

Träumte da von vollen, goldnen Stunden Ungemischter Lust, Hatte schon dein liebes Bild empfunden Tief in meiner Brust.

Bin ich′s noch, den du bei so viel Lichtern An dem Spieltisch hältst? Oft so unerträglichen Gesichtern Gegenüber stellst?

Reizender ist mir des Frühlings Blüte Nun nicht auf der Flur; Wo du, Engel, bist, ist Lieb′ und Güte, Wo du bist, Natur.

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Illustration zu An Belinden

Interpretation

Das Gedicht "An Belinden" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von einem jungen Mann, der von einer Frau namens Belinden angezogen wird. Er fragt sich, warum sie ihn unwiderstehlich in die Pracht der Gesellschaft zieht, obwohl er in der Einsamkeit der Nacht so glücklich war. Er erinnert sich an die Zeit, als er in seinem Zimmerchen lag, vom Mondenschein umflossen, und von vollkommenen, glücklichen Stunden träumte, in denen er das Bild von Belinden tief in seiner Brust empfand. Jetzt, da er bei Belinden ist, fragt er sich, ob er noch derselbe Mensch ist, der sie an einem Spieltisch hält und oft unerträglichen Gesichtern gegenübersteht. Er fühlt sich von der Pracht und dem Glanz der Gesellschaft überwältigt und sehnt sich nach der Einfachheit und Reinheit seiner früheren Träume. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass Belinden die Verkörperung von Liebe und Güte ist und dass die Natur dort, wo sie ist, am schönsten ist. Der junge Mann scheint zu erkennen, dass die wahre Schönheit und Freude in der Einfachheit und Reinheit der Natur zu finden sind, und nicht in der Pracht und dem Glanz der Gesellschaft.

Schlüsselwörter

warum ziehst unwiderstehlich pracht guter junge selig öden

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Stilmittel

Bildsprache
Träumte da von vollen, goldnen Stunden / Ungemischter Lust
Hyperbel
Oft so unerträglichen Gesichtern
Kontrast
War ich guter Junge nicht so selig / In der öden Nacht?
Metapher
Heimlich in mein Zimmerchen verschlossen, / Lag im Mondenschein, / Ganz von seinem Schauerlicht umflossen
Personifikation
Warum ziehst du mich unwiderstehlich