An Baronesse van Oesteren
1907Hochverehrte Baronesse, Wieder einmal, Dresden-Galerie, Die ich aufzusuchen nie vergesse. Denn ich werde müd zu schauen nie Des Teniers bizarre Schenkenspässe Und Ostades bunte bauernmesse Und dann Rubens, der den Farben lieh Jene Liebeshymmnen Melodie. - Raphaels verzückte - Madonnie Rembrandts halblichtschwere braune Blässe Dran manch Kritikus sich glühend schrie. Kranach auch, dem ich die bunten Pässe In das Fegefeuer nie verzieh. Hier van Dyck, den Freund der Königstresse Den ich nach den “Kindern Karls” messe Und Corregio, den ich nie vergesse Wegen seiner Wirklichkeitsmanie. Dort - Velasquez, welchem die Finesse Des Porträts im höchsten Maaß gedieh, Goya mit der Höllentheorie Und Murillos süsses Weingeesse Dann auch Dürer, der die Farbenpresse Brauchte - auch für seine Phantasie ……………………………………………………….. ………………………………………………………… Unter diesem allen, Baronesse, Denk′ ich ganz von ungefähr an Sie …
Aber gewiss ist ein Tizian Oder der Saskia Auge daran Schuld, - daß mir hier auf dem Künstlerplan Solche liebe Gedanken nahn … Und da sehn Sie: gedacht - gethan Schon fällt ein ganzes Gedicht Sie anich sie Ihnen über alle Weiten - beide: Glück auf!
…
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "An Baronesse van Oesteren" von Rainer Maria Rilke ist eine Hommage an die Kunst und eine persönliche Widmung an die Baronesse. Rilke beschreibt seine wiederholten Besuche in der Dresdner Galerie und seine Bewunderung für die verschiedenen Künstler und ihre Werke. Er erwähnt Teniers, Ostade, Rubens, Raphael, Rembrandt, Kranach, van Dyck, Corregio, Velasquez, Goya, Murillo und Dürer, um nur einige zu nennen. Jeder Künstler wird mit seinen charakteristischen Merkmalen und Stilen beschrieben, was Rilkes tiefes Verständnis und seine Wertschätzung für die Kunst zeigt. Im zweiten Teil des Gedichts lenkt Rilke seine Gedanken auf die Baronesse, die er als eine Art Muse oder Inspirationsquelle betrachtet. Er deutet an, dass die Anwesenheit der Baronesse oder ihre Erinnerung seine Gedanken und Gefühle inmitten der Kunstwerke beeinflusst. Dies zeigt die Verbindung zwischen Kunst, Emotion und persönlichen Beziehungen, die Rilke oft in seinen Werken erforscht. Das Gedicht endet mit einer freudigen und spontanen Geste, als Rilke ein Gedicht an die Baronesse richtet. Dies unterstreicht die Spontaneität und Authentizität seiner Gefühle und die enge Verbindung, die er zwischen Kunst und persönlicher Zuneigung sieht. Das Gedicht ist somit nicht nur eine Hommage an die Kunst, sondern auch eine Liebeserklärung an die Baronesse, die in seiner Vorstellung mit der Schönheit und Tiefe der Kunst verschmilzt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Denn ich werde müd zu schauen nie
- Anapher
- Und dann Rubens, der den Farben lieh / Jene Liebeshymmnen Melodie. - / Raphaels verzückte - Madonnie / Rembrandts halblichtschwere braune Blässe
- Hyperbel
- Schon fällt ein ganzes Gedicht Sie an
- Metapher
- Und Murillos süsses Weingeesse
- Personifikation
- Denk′ ich ganz von ungefähr an Sie
- Vergleich
- Oder der Saskia Auge daran