An Anna

Justinus Kerner

1826

Lange harrt′ ich, aber endlich breiten Auseinander sich des Fensters Flügel Und an seinem weißen Kreuze stehs du, Berg und Tal ein stiller Friedensengel.

Vöglein ziehen nah′ an dir vorüber, Täublein sitzen auf dem nahen Dache, Kommt der Mond und kommen alle Sterne, Blicken all′ dir keck ins blaue Auge.

Steh′ ich einsam in der Ferne, Habe keine Flügel hinzufliegen, Habe keine Strahlen hinzusenden, Steh′ ich einsam in der Ferne!

Gehst du, sprech′ ich mit verhaltnen Tränen Ruhet süß ihr lieben Augen, Ruhet süß ihr weißen Lilien, Ruhet süß ihr lieben Hände.

Sprechen′s nach die Stern′ am Himmel, Sprechen′s nach des Tales Blumen, Weh! o Weh! Du hast es nicht vernommen.

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Illustration zu An Anna

Interpretation

Das Gedicht "An Anna" von Justinus Kerner handelt von einer tiefen Sehnsucht und Verehrung für eine Frau namens Anna. Der Sprecher beobachtet sie durch ein Fenster und beschreibt sie als einen "stillen Friedensengel", der auf einem weißen Kreuz steht. Die Natur um sie herum, wie Vögel und Sterne, scheint sie ebenfalls zu bewundern und auf sie zu achten. Der Sprecher befindet sich in der Ferne und fühlt sich einsam, da er keine Möglichkeit hat, zu Anna zu fliegen oder ihr Strahlen zu senden. Diese Distanz und Trennung verstärkt seine Sehnsucht und Traurigkeit. Die wiederholte Betonung seiner Einsamkeit unterstreicht die Intensität seiner Gefühle. Wenn der Sprecher von Anna Abschied nimmt, spricht er mit verhaltenen Tränen und wünscht ihr süßen Schlaf. Er bittet ihre Augen, Lilien und Hände, sich auszuruhen. Doch seine Worte bleiben ungehört, wie die Sterne am Himmel und die Blumen im Tal betonen. Die letzte Zeile "Du hast es nicht vernommen" verdeutlicht die unerfüllte Liebe und die Hoffnungslosigkeit des Sprechers.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Ruhet süß ihr lieben Augen, Ruhet süß ihr weißen Lilien, Ruhet süß ihr lieben Hände
Anapher
Steh′ ich einsam in der Ferne
Bildlichkeit
Vöglein ziehen nah′ an dir vorüber, Täublein sitzen auf dem nahen Dache
Kontrast
Steh′ ich einsam in der Ferne, Habe keine Flügel hinzufliegen, Habe keine Strahlen hinzusenden
Metapher
Berg und Tal ein stiller Friedensengel
Personifikation
Kommt der Mond und kommen alle Sterne, Blicken all′ dir keck ins blaue Auge
Symbolik
Weißen Kreuze
Wiederholung
Weh! o Weh!