An Anna aus der Ferne

Paul Fleming

1640

Aurora, schlummre noch an deines Liebsten Brust, es ist der tiefen Nacht kein Morgen noch bewußt. Diana führt die Sternen noch höher in die Luft, will weiter von mir lernen, was ich ihr vorgeruft.

Neun Stunden sind nun gleich von Nächten durchgebracht, Neun Stunden hab′ ich nun an Korilen gedacht, an Korilen, die schöne, von der ich bin so weit, drum klinget mein Getöne nach Nichts denn Traurigkeit.

Nehmt Korilen in Acht, ihr Wächter aller Welt, für ihren treuen Sinn, den sie mir vorbehält. Ich will nicht müde werden in ihrer festen Pflicht, bis daß der Feind der Erden auch mir mein Urtheil spricht.

Aurora, lege nun um dich den Purpurflor. Der junge Tag tut auf der Eos güldnes Thor. Wirst du mein Lieb ersehen, so gieb ihr einen Wink, als mir von ihr geschehen, indem ich von ihr ging.

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Illustration zu An Anna aus der Ferne

Interpretation

Das Gedicht "An Anna aus der Ferne" von Paul Fleming ist ein sehnsuchtsvolles Liebesgedicht, das die tiefe Verbundenheit des lyrischen Ichs zu seiner Geliebten Anna ausdrückt. Die Handlung erstreckt sich über eine Nacht, in der der Sprecher an seine ferne Liebe denkt und ihr treu bleibt. Die Nacht wird dabei als Metapher für die Trennung und Sehnsucht verwendet. In den ersten beiden Strophen wird die tiefe Nacht beschrieben, in der das lyrische Ich noch an Anna denkt. Die Sterne, personifiziert als Diana, werden als Schüler des Sprechers dargestellt, der ihnen etwas beibringt. Die neun Stunden der Nacht symbolisieren die lange Dauer der Trennung und die Intensität der Gedanken an Anna. Der Sprecher empfindet Traurigkeit und Sehnsucht, da er so weit von seiner Geliebten entfernt ist. Die dritte Strophe ist eine Mahnung an die Hüter der Welt, auf Anna zu achten und ihre Treue zu würdigen. Der Sprecher betont, dass er nicht müde werden wird, seine Pflicht gegenüber Anna zu erfüllen, bis sein eigenes Urteil gesprochen wird. Dies kann als Ausdruck seiner unerschütterlichen Liebe und Treue interpretiert werden. In der letzten Strophe wird der Morgen, personifiziert als Aurora, beschworen, aufzuwachen und den Tag zu beginnen. Der Sprecher bittet sie, Anna einen Wink zu geben, wenn sie seine Liebe erblickt. Dies kann als eine Art geheime Botschaft oder Zeichen der Verbundenheit zwischen den Liebenden verstanden werden. Der letzte Vers deutet darauf hin, dass das lyrische Ich Anna verlassen hat, um seine Liebe aus der Ferne zu bewahren.

Schlüsselwörter

korilen aurora will neun stunden schlummre liebsten brust

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Neun Stunden hab′ ich nun an Korilen gedacht
Apostrophe
Nehmt Korilen in Acht, ihr Wächter aller Welt
Enjambement
Wirst du mein Lieb ersehen, so gieb ihr einen Wink
Hyperbel
Ich will nicht müde werden in ihrer festen Pflicht
Metapher
Neun Stunden sind nun gleich von Nächten durchgebracht
Personifikation
Aurora, schlummre noch an deines Liebsten Brust
Symbol
Aurora, lege nun um dich den Purpurflor